München – Minus zwei Grad und leichten Schneefall meldet der Online-Wetterdienst für Freitag, 14 Uhr. Das erste von drei 1860-Testspielen in diesem Dezember fällt mitten in einen kleinen Wintereinbruch, doch nach Lage der Dinge soll es stattfinden. Die Verabredung mit dem 1. FC Nürnberg steht, sämtliche 400 Tickets sind vergriffen, und für die, die nicht dabei sein können (oder es warm haben wollen), wurde eine Liveübertragung im Lokalfernsehen organisiert, u.a. auf München TV und dem Youtube-Kanal der Löwen.
Am Freitag und bei den Tests in Hoffenheim (Samstag, 15 Uhr) und gegen Bayreuth (Dienstag, 13.30 Uhr) dürfte es erste Fingerzeige geben, wer die Spieler sind, auf die Michael Köllner ab sofort verstärkt setzt. Als gesichert gilt, dass der Trainer auf eine Achse der Verlässlichen baut: Hiller, Verlaat, Morgalla, Rieder, Deichmann, Vrenezi, Lex und Bär dürften ihre Stammplätze sicher haben. Eng wird es für einige Hinterbänkler im Kader, die aus verschiedenen Gründen keine Perspektive mehr haben. Quirin Moll und Marius Willsch (beide 31) waren schon in den ersten 17 Spielen kaum noch gefragt, und auch Lorenz Knöferl, 19, ist über den Status des hoffnungsvollen Talents hinaus – der Last-Minute-Treffer gegen Wiesbaden, sein bislang einziges Glanzlicht im Löwen-Trikot, jährt sich am Sonntag zum zweiten Mal.
Zu den Wechselkandidaten zählt auch Kevin Goden, der sich seit Sommer ohne offizielle Begründung im Bayernligateam verdingen muss (wo er regelmäßig Topleistungen abruft). Die Löwen würden wohl keinem der genannten Spieler Steine in den Weg legen, denn auch das ist längst kein Geheimnis mehr. Köllner würde gerne Platz schaffen für ein, zwei neue Spieler, wie er zuletzt mehrfach erklärte. Handlungsbedarf sieht er im Mittelfeld, offensiv und defensiv. Gerüchten zufolge sollen ihm sogar von einer der Gesellschafterseiten Verstärkungen zugesichert worden sein.
Ungeklärt ist bislang allerdings die Frage der Finanzierung. Erfreulich: Bei einem Notartermin am Donnerstag wurden weitere Ismaik-Darlehen in siebenstelliger Höhe in Genussscheine umgewandelt (1 Million Euro sofort, weitere 3,2 Mio. für März zugesagt) – der Profispielbetrieb ist damit also bis zum Ende der Saison 2023/24 gesichert, ob weiter in der aktuellen Liga oder eine weiter oben. Weniger erfreulich: Geld für neue Spieler ist Stand Mitte Dezember nicht vorhanden, es sei denn, der Investor macht Köllner ein Geburtstagsgeschenk (zwei Tage vor Silvester wird der Coach 53 Jahre alt), neue oder alte Sponsoren springen ein – oder einer der beiden Geschäftsführer gewinnt bei der Weihnachtslotterie.
Unsere Zeitung weiß: An Sportchef Günther Gorenzel würden Wintertransfers nicht scheitern. Gespräche mit potenziellen Zugängen sind weit vorangeschritten, nur das „Go“ aus dem Finanzressort von Marc-Nicolai Pfeifer fehlt – wenn es denn kommt. Für Verstärkungen, wie sie dem Trainer vorschweben, müssten zusätzliche 170 000 bis 200 000 Euro lockergemacht werden, pro Planstelle. Viel Geld für eine überschuldete KGaA, die sich seit Jahren von einer finanziellen Rettungsleine zur nächsten hangelt.
Der Verein prüfe aktuell, „was sportlich und wirtschaftlich machbar ist“, sagte Köllner gegenüber heimatsport.de. Es klingt, als wäre er im Notfall auch mit einem Winterzugang zufrieden – wenn er denn eine echte Verstärkung ist: „Klar ist, dass es ein Spieler für die Spitze und nicht für die Breite sein muss.“ ULI KELLNER