„Man kann keine Weltmeisterschaft mit Wundern gewinnen“

von Redaktion

Marokko trauert dem verpassten Finale nach – und will nun im Spiel um Platz drei gestärkt zurückkommen

Al-Chaur – Nach und nach trotteten die marokkanischen Halbfinalverlierer in ihren roten Mannschaftsbus und ließen sich geschafft auf die Sitze fallen. An das Pflichtspiel um Platz drei an diesem Samstag gegen ebenso enttäuschte Kroaten dachte in diesem Moment wohl keiner der Fußball-Löwen vom Atlas. Und um beim Blick durch die Scheibe in die tiefschwarze katarische Nacht schon zufrieden den Stolz einer ganzen Nation fühlen zu können, war die Rückfahrt durch die Wüste vom Al-Bait-Stadion wahrscheinlich auch zu kurz. Aber das kommt noch.

„Ich habe den Spielern gesagt: Ich bin stolz auf sie. Der König ist auch stolz auf sie, das ganze marokkanische Volk ist das“, berichtete Nationaltrainer Walid Regragui nach dem 0:2 im Halbfinale gegen Frankreich. Medienberichten zufolge hatte König Mohammed VI. höchstpersönlich angerufen, um zu der historischen Leistung in Katar zu gratulieren. „Meine Spieler haben sich von ihrer besten Seite gezeigt und alles gegeben. Sie sind enttäuscht, sie wollten die Geschichte weiterschreiben“, sagte Regragui. „Man kann aber keine Weltmeisterschaft mit Wundern gewinnen.“

Wobei der marokkanische Verband übrigens Beschwerde über Schiedsrichter Cesar Arturo Ramos einlegte. Der Unparteiische hatte den Afrikanern in zwei strittigen Situationen Elfmeter verweigert. Ändern wird die Beschwerde am Ausgang nichts.

Dabei wäre es bei Weitem kein Wunder gewesen, hätten die tapferen Marokkaner, die wie keine andere Mannschaft bei der WM als geschlossene Einheit auftreten, nach Belgien, Kanada, Spanien und Portugal auch die Équipe Tricolore geschlagen. Frankreich-Star Kylian Mbappé tröstete noch auf dem Rasen seinen Pariser Kollegen Achraf Hakimi. „Wir haben ein großes Spiel gezeigt“, sagte Torwart Yassine Bounou.

Den Traum vom Finale hatten Millionen Menschen geteilt – natürlich in Marokko, aber auch in anderen Teilen der arabischen Welt, für die Marokko zuletzt oberflächlich so etwas wie ein Symbol der Einheit geworden war. In europäischen Städten zog es ebenso Tausende auf die Straßen, in Frankreich leben über eine Million Marokkaner. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen.

In der Wüstenzelt-Arena hatten gut 30 000 marokkanische Fans das erste Halbfinale einer afrikanischen Mannschaft verfolgt. Am Ende jubelte aber Frankreichs Staatsoberhaupt Emmanuel Macron über den erneuten Final-Einzug der Équipe Tricolore. „Nach einer außerordentlichen Begegnung hat das Glück der Nationalmannschaft nicht zugelächelt“, schrieb die marokkanische Zeitung „Yabiladi“. In verregneten Casablanca ertönten in der Nacht trotz der Niederlage exzessive Hupkonzerte. Mehrere Fans stimmten auf dem Heimweg Gesänge an.

„Wir müssen in Afrika regelmäßig solche Leistungen zeigen, wenn wir wollen, dass Marokko auf der Fußball-Landkarte ist“, sagte Regragui. „Wir wollen uns für jede WM qualifizieren, damit es für die Menschen in Zukunft normal ist. Wir haben viel erreicht, wir haben gezeigt, dass wir mit den Top-Teams mithalten können.“

In den wenigen Stunden bis zum Spiel um Platz drei am Samstag (16.00 Uhr MEZ) muss der Trainer Aufbauarbeit leisten. „Nach einer Niederlage ist es schwierig, für die Zukunft zu planen“, sagte Regragui. doch„Wir wollen Dritter werden, um unser Land stolz zu machen“, sagte der Trainer.  dpa

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