Al-Rayyan – Dafür, dass das Spiel um Platz drei als unnötiger Schnickschnack empfunden wird, freut sich sein Sieger doch ziemlich außerordentlich. „Das“, sagte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic nach dem 2:1-Sieg gegen Marokko, „ist der emotionalste Moment der WM. Es ist Bronze mit einem Goldrand.“ Der FIFA empfahl er, Josko Gvardiol (20) als besten jungen Spieler des Turniers auszuzeichnen. Der Leipziger hatte das 1:0 geköpft (7. Minute) und in den vier Wochen in Katar nur einen frustrierenden Moment, als ihn im Halbfinale Lionel Messi an der Außenlinie tanzen ließ.
Im kleinen Finale war es sogar diskussionswürdig, ob Gvardiol nicht noch einen Strafstoß hätte zugesprochen bekommen müssen. Zur Szene eine Viertelstunde vor Schluss meinte er: „Ich bin Verteidiger und weiß gar nicht, wie man fällt.“ Die Treffer waren da aber schon gefallen. Marokko hatte den Rückstand schnell ausgeglichen (Dari/9.), Orsic traf kurz vor der Halbzeitpause mit einem Heber, für den Marokkos schlaksiger Torwart Bono nicht groß genug war, zum 2:1. „Wir verlassen Katar als Gewinner“, sagte Luka Modric: „Diese Medaille ist für uns, für mich, für Kroatien sehr wichtig.“ Der Superstar des Teams wird seine Nationalmannschaftskarriere mindestens noch bis zum Finalturnier der Nations League im Sommer 2023 fortsetzen. Auch die EM 2024 ist nicht ausgeschlossen.
Und Marokko? „Meine Spieler waren nicht mehr zu 100 Prozent fit“, entschuldigte Coach Walid Regragui. Doch auch Zlatko Dalic ließ die zweite Reihe ran: Josip Stanisic vom FC Bayern spielte als rechter Verteidiger durch. „Bei uns kommt Talent nach“, sagte der Trainer und meinte damit explizit auch den Münchner.
Marokko – Kroatien hatte es bereits am ersten Spieltag der Vorrunde gegeben, es war ein schmuckloses 0:0, nach dem niemand glauben konnte, dass beide Teams am letzten Wochenende noch im Wettbewerb sein würden. „Man hat dann der Unterschied zwischen europäischem und kroatischem Fußball gesehen: die Erfahrung“, erklärte Regragui zum letzten Spiel.
Er bleibt Nationaltrainer in Marokko, geht den Africa Cup of Nations 2024 an und sagt: „Wenn man König der Welt sein will, muss man zuerst seinen Kontinent beherrschen.“ Er erwartet, dass sein Land sich immer für die WM qualifiziert und mindestens ins Achtelfinale kommt – „und dann gewinnen wir oder ein afrikanisches Land in den nächsten 50 Jahren den Weltcup. Wir haben die Kinder zuhause zum Träumen gebracht, das ist der größte Erfolg.“ Sein Schlusswort: „Lang lebe Afrika!“ gük