Messis Krönung

von Redaktion

Spektakuläres Finale: Argentinien bezwingt Frankreich im Elfmeterschießen

VON GÜNTER KLEIN

Lusail – Die Weltmeisterschaft 2022 hat ein großes, ein episches Finale bekommen. Die Schlussbilder nach dem Elfmeterschießen: Lionel Messi im Jubeltaumel, der kleine große alte Mann, feierte die Vollendung seines Lebenswerkes mit dem WM-Titel. Er erzielte das 1:0 und 3:2 in der Verlängerung (108.), er traf in einem für ihn komplizierten Spiel, in dem er und seine Argentinier gegen Frankreich einen 2:0-Vorsprung einbüßten, auch noch im Shoot-out, das 4:2 an sein Team ging. Er hielt dann noch eine Ansprache an die Fans. „Ich habe es herbeigesehnt, und jetzt ist es das Schönste, was es gibt“, sagte Messi.

Kylian Mbappé stand schon zur Wachablösung bereit, der Franzose erzielte alle drei Tore, zwei per Elfmeter – und musste dem König den Vortritt lassen. Argentinien ist Weltmeister. Nach 36 Jahren des Wartens, nach vier WM-Turnieren, die das Genie Messi nicht hatten krönen können. Nun zieht Messi gleich mit Diego Maradona, der vor dem Endspiel auf den Videowänden des Lusail Stadium aufgetaucht war, als die FIFA der verstorbenen Idole gedachte. Sein WM-Solo von 1986 gegen England leitete den Abend ein. WM-Endspiele sind meist zähe Angelegenheiten – dieses jedoch wurde zum Spektakel pur. Die Argentinier wollten die Sache ohne Vorfühlen regeln.

Die Aufstellung, die Lionel Scaloni, der Coach der Albiceleste, gewählt hatte, wich auf einer Position von den Erwartungen ab: Angel di Maria, startete und holte den Strafstoß heraus, den Messi zum 1:0 verwandeln konnte (23.). Di Maria hatte Dembele ausgetrickst, der Ex-Dortmunder traf den Gaucho-Stürmer am Fuß. Dembele und auch Olivier Giroud, zwei Drittel der französischen Sturmreihe, wurden von Trainer Didier Deschamps bereits in der 41. Minute vom Feld gewunken und durch das Bundesliga-Duo Thuram/Kolo Muani ersetzt. Es wirkte wie eine Panikreaktion von Frankreich, nachdem es auf frustrierende Weise das 0:2 eingefangen hatte. Durch einen argentinischen Blitzkonter über sechs Stationen, durch di Maria vollendet (36.). Zur Halbzeit stand in allen Statistiken, die die Offensivleistung beleuchten, bei Frankreich eine Null. Das konnte die Grande Nation nicht auf sich sitzen lassen. Sie begab sich in die Offensive – die Argentinier lauerten auf Konter. „Wir hatten alles unter Kontrolle, dann haben wir es aus der Hand gegeben“, sagte Torwart Martinez im Rückblick darauf, wie Frankreich sich ins Spiel hineinarbeitete. Joker Kolo Muani wurde von Otamendi gefoult – Strafstoß, Mbappé verwandelte ihn (80.), holte den Ball aus dem Netz, denn es musste schnell weitergehen. Und wie. Eine Minute später stand es 2:2, und genauso bemerkenswert wie der Schuss von Mbappé ins Eck war, dass der eingewechselte Kingsley Coman die Szene mit einem Ballgewinn gegen Messi ermöglicht hatte.

Das große Spiel wurde auch ein langes Spiel. Mit verrückten Szenen, mit Messis 3:2, das aber noch keine Entscheidung war, weil Frankreich einen Handelfmeter bekam und Mbappé verwandelte (118.). Im Drama vom Punkt trafen Mbappé und Kolo Muani, während Coman und Tchouameni scheiterten. Argentiniens Helden neben Tormann Martinez waren Messi, Dybala, Paredes, Montiel. Trainer Scaloni: „Ich hatte das Glück, heute alles richtig zu machen.“ Und Argentinien hat das Glück, Messi weiter im Nationaltrikot sehen zu können: „Gegen Ende meiner Karriere wurde mir fast alles gegeben“, sagte er, „aber ich will noch ein paar Spiele als Weltmeister bestreiten.“

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