Gruß vom Fernseh-Krampus

Super-Esther treibt noch mal an

von Redaktion

VON JÖRG HEINRICH

Liberté, Egalité, ARD! Wir als Fernseh-Krampus haben beim Endspiel ein allerletztes Mal genau zugehört, was Jessica und Schweini erzählt haben. Um es mit Karli Moik, dem Béla Réthy des Jodelns, zu sagen: „Servus, pfüa Gott und auf Wiedersehn!“

Zum letzten Mal Jessica: Man hat fast befürchtet, dass Jessy und ihre Palaverfraktion schon im Urlaub sind. Aber dann hat Esther Sedlaczek die Nation erlöst: „Jetzt geht’s erstmal zu Jessy Wellmer.“ Wobei Verschleißerscheinungen nicht zu leugnen waren. Almuth Schult bemerkte zur Abschlussfeier euphoriegebremst: „War halt ne Abschlussfeier.“ Und Jessy Wellmer versuchte sanftzärtlich, bei Schnarch-Sami Khedira Begeisterung zu wecken: „Ist es dir gelungen, ein gewisses Maß von Vorfreude zu entwickeln?“ Nee, das gelang nur so mittel. Wo ist der mehrfache Euphorie-Weltmeister und Juchhu-Gladbacher Chris Kramer, wenn man ihn braucht? Wobei: Er hätte 3:0 für Frankreich getippt.

Zum letzten Mal Schweini: Alle waren bis zum Bersten gespannt, wen Bastian Schweinsteiger zum Finale „ganz gut kennt“. Ein gemeinsames Zigaretterl mit César Luis Menotti wäre lässig gewesen. Aber schlussendlich hatte Schweini nur mit Wayne Rooney geplauscht. Er verriet: „Die beste WM war 2006 in Deutschland, nicht nur, weil das Wetter toll war.“ Wobei es auch in Katar nur selten zu Unwettern und Hagelschlag kam. Angetrieben von Super-Esther fiel Schweini aber nochmal Interessantes zu Gaucho-Trainer Scaloni ein: „Er hat nach der Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien die Cojones so ungefähr in die Hand genommen.“ Da hat Eier-Aficionado Olli Kahn vor dem Fernseher so ungefähr vor Glück geweint.

Zum letzten Mal Toni und Felix Kroos: Die Kult-Brüder saßen für die Telekom noch einmal auf der Couch und ließen es luppen. Beim 1:0 moserte Messi-Skeptiker Felix: „Schieß drüber jetzt! Hat der bei dieser WM schon mal ein Tor nicht als Elfmeter geschossen?“ Toni ordnete an: „Da muss der Didier jetzt nachjustieren.“ Und beim 2:0 von Angel di Maria analysierte der Weltmeister-Kroos zurecht: „Er trifft ihn nicht optimal, aber er trifft ihn halt perfekt.“ In der 54. Minute erinnerte sich Toni schon an sein eigenes Finale 2014: „Er sieht sich nachher schon mit dem Pott dastehen, der Lionel.“ Aber von wegen, nix da! Nach Frankreichs 2:2 musste Felix erkennen: „Wir haben ja mal gar keine Ahnung.“ Das ist lässig, lustig, cool – Fußball-Fernsehen fürs 21. Jahrhundert.

Zum letzten Mal Tom Bartels: Er kommentierte sein zweites WM-Finale und wollte der Welt zeigen, dass er besser ist als Béla Réthy. Aber das hat nicht funktioniert. Zäh war’s. Als Bartels bei der Eröffnungsfeier erzählt hat, dass der Rap-Gassenhauer „Heia heia“ der große Hit der WM war, dachte man sich: Heia heia, damit kennt er sich aus. Er verriet: „Kylian Mbappé kann der zweite Spieler der Welt werden, der vor seinem 24. Geburtstag zweimal Weltmeister ist.“ Wer der erste war, hat er vorsichtshalber für sich behalten. Über „Emm-bappeh“ und Konsorten wusste er: „Frankreich spielt wie Frankreich.“

Und Bartels kommentierte wie Bartels. Gut, dass der kluge Thomas Broich neben ihm saß. Sein Kommentar zum 2:0 der Argentinier und zur „fantastischen Reise“ der Südamerikaner: „Das ist Fußball wie auf der PlayStation.“ Schade, dass ihn die ARD viel zu oft versteckt. Er ist der Angel di Maria des Analysierens.

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