Erster Aufschlag im neuen Leben

von Redaktion

Boris Becker gibt sich nach Haft geläutert – seine Zukunft liegt im Ausland

Hamburg – Boris Beckers nächste Aufschläge müssen sitzen. Nach dem vielbeachteten TV-Interview mit Tränen und eindringlichen Schilderungen seiner großen Ängste im englischen Gefängnis beginnt für den 55-Jährigen der Kampf zurück ins Leben erst richtig. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) steht dabei an Beckers Seite.

„Ich freue mich für den Boris, dass er auf freiem Fuß ist. Man kann ihm für die Zukunft nur alles Gute, Zufriedenheit und Glück wünschen“, sagte DTB-Präsident Dietloff von Arnim: „Von unserer Seite werden wir Boris erstmal in Ruhe lassen. Er soll ankommen in Deutschland, im Leben. Selbstverständlich stehen wir gern zu gegebener Zeit für ein Gespräch über seine Wünsche bereit. Ein Anruf genügt – und wir sind da.“ Wenn Becker es wolle auch bald.

Der Leimener, der schon mit 17 Jahren mit seinem Wimbledon-Triumph zu Weltruhm kam, prägte die Sportart in Deutschland über Jahrzehnte. Und es ist durchaus vorstellbar, dass Becker nach seiner Haftentlassung auch künftig im Verband eine Rolle spielt. „Was Boris als Sportler und dann später auch als Head of Men’s Tennis für den DTB gemacht hat, war einfach nur gut“, sagte von Arnim.

Auch der DTB-Präsident gehörte zu den im Schnitt 1,55 Millionen Menschen, die Beckers Auftritt zur Prime Time am Dienstagabend bei Sat.1 verfolgten. Bundestrainerin Barbara Rittner wertete es bei Twitter als ein „beeindruckend offenes Interview“. Darin schilderte der einstige Weltranglistenerste die schweren Momente seiner Inhaftierung, richtete aber auch den Blick auf die Zukunft.

Die dreimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Angelique Kerber würde sich eine Rückkehr von ihm ins Tennisgeschehen wünschen. „Natürlich würde ich mich freuen, wenn er dem Tennis in irgendeiner Funktion erhalten bleibt“, sagte Kerber und ergänzte: „Er hat ganz offensichtlich keine leichte Zeit hinter sich. Ich wünsche ihm, dass er einen guten Neuanfang bekommt.“

Becker ist da optimistisch. „Ich glaube, das Gefängnis war gut für mich“, sagte er, der nach seiner Verurteilung wegen Insolvenzverfahren und dem Absitzen der Strafe nun noch einmal neu anfangen will – eher aber nicht in Deutschland, womöglich auch nicht in Europa. Miami und Dubai nannte der dreimalige Wimbledon-Champion als mögliche Ziele. Er müsse und werde arbeiten: „Ich bin dankbar, dass alle meine Partner bei mir geblieben sind und mir eine zweite Chance geben.“ Vor dem schweren Lebenseinschnitt Ende April war Becker als Kommentator für die britische BBC und Eurosport aktiv gewesen.

Nach Großbritannien darf er vorerst nicht einreisen, erneute Einsätze bei Eurosport sind durchaus vorstellbar, zumal Becker mit dem Spartensender vor zwei Jahren einen Vertrag bis 2023 abgeschlossen hatte. Bei den French Open und den US Open nahm seine Experten-Rolle Mischa Zverev ein.

„Ich habe Ideen, aber ich bin vorsichtig geworden mit meinen Aussagen“, sagte Becker, der Teile seiner Einkünfte weiter abgeben muss. Gesprächiger war er beim Thema Familie, die ihn am Tiefpunkt stark stützte. Er sehe sich in zehn oder 20 Jahren umringt von seinen Kindern: „Ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu.“ Die Liebe zu seiner Freundin Lilian solle „für immer und ewig“ halten. Er wolle „noch 25 gute Jahre vor mir haben“, meinte Becker. Die ersten Schritte in sein neues Leben beginnen jetzt.  sid

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