Zwischen Lust und Frust

von Redaktion

Handball-WM: Gislason tüftelt am Kader

Magdeburg – Alfred Gislason sitzt entspannt in einem roten Samtsessel und nippt an seinem Cafe Crema. Der Bundestrainer lacht viel. Er schwärmt vom „unglaublichen Mannschaftsgeist“ der argentinischen Fußballer, spricht über seine enorme Vorfreude auf die Handball-WM mit der deutschen Mannschaft und die Bedeutung seines isländischen „Bauchgefühls“ für die bevorstehende Kadernominierung am morgigen Freitag.

Doch als das Gespräch auf die vielen Absagen kommt, die ihn Zeit seiner inzwischen bald dreijährigen DHB-Tätigkeit begleiten, verdunkelt sich seine Miene schlagartig. Gislason ist sichtlich genervt und attestiert dem deutschen Handball in Bezug auf seine Nationalmannschaft ein punktuelles Einstellungsproblem. „Ja, schon ein bisschen. Ich weiß nicht, woran es liegt“, antwortete Gislason auf eine entsprechende Frage. Am Freitag wird der Isländer sein 18 Spieler umfassendes WM-Aufgebot benennen, einige potenzielle Leistungsträger wie Fabian Wiede (Zahn-Operation) stehen nicht zur Verfügung.

Angesichts der kurzen Verschnaufpausen habe er Verständnis für Spieler, „die schon sehr lange Bundesliga spielen“, so Gislason und führte aus: „Nur: Es gibt auch viele, viele Spieler – gerade die Skandinavier, die Schweden, Dänen, Norweger und Isländer – die schon in jungen Jahren in die Bundesliga gekommen und genauso lange dabei sind wie die deutschen Spieler. Und keiner von ihnen sagt, er will nicht zur Nationalmannschaft. Wirklich keiner. Ich kann mich an keinen einzigen bei den Skandinaviern erinnern, der sagt, er stehe nicht zur Verfügung. Deutsche Spieler machen das. Deswegen ist es teilweise schon schwer nachzuvollziehen, dass der eine oder andere deutsche Spieler nicht zur Verfügung steht. Das enttäuscht mich.“ Andere Spieler wie beispielsweise Kiels Kreisläufer Hendrik Pekeler hätten wiederum abgesagt, weil sie angeschlagen waren oder chronische Probleme haben. „Das muss man verstehen“, so der 63-Jährige.

Abgesehen von dem für ihn leidigen Thema sieht Gislason den kommenden Wochen mit viel Enthusiasmus entgegen – auch wenn er vor der Nominierung noch ein paar kniffelige „Bauchentscheidungen“ treffen muss. „Es ist noch nicht ganz klar alles. Es sind zwei, drei Härtefälle“, sagt Gislason. Die letzten Tage habe er genutzt, die jüngsten Spiele nochmal „genau auszuwerten“. Die größten Fragezeichen stehen hinter den zuletzt verletzt fehlenden Julius Kühn und Marcel Schiller. Eine Millimeter-Entscheidung wird es auch im Tor geben, wo Joel Birlehm und Till Klimpke um den Platz neben Stammkeeper Andreas Wolff buhlen. sid

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