Oberstdorf – Vier Siege, zwei zweite Plätze, die überlegene Führung im Gesamtweltcup – mit einer viel eindrucksvolleren Bilanz als Dawid Kubacki ist selten ein Skispringer zur Vierschanzentournee gereist. Dementsprechend ist der Pole für alle Experten der Anwärter Nummer eins auf den Goldenen Tourneeadler. Auch für Stefan Horngacher. Der deutsche Bundestrainer hat die Stärken des Überfliegers und seiner Hauptrivalen kurz vorgestellt.
Dawid Kubacki (Polen)
Neu-Trainer Thomas Thurnbichler hat die Stärken des 32-Jährigen wieder zum Vorschein gebracht. Auch mit unkonventionellen Trainingsmethoden wie Matheaufgaben, die Kubacki in der Luft zu lösen hatte. „Absprungstark war Dawid schon immer“, sagte Horngacher, „aber zuletzt hat er auch beim Fluggefühl noch einmal deutlich zugelegt. Uns er zeigt das in einer ungeheuren Konstanz. Ganz klar: Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt.“
Anze Lanisek (Slowenien)
Gegen Ende der vergangenen Saison sprang Sloweniens Team die Weltspitze in Grund und Boden. Die Dinge haben sich über den Sommer ein bisschen relativiert – Lanisek indes blieb. Kein Zufall, wie Horngacher findet. „Anze Lanisek hat in den vergangenen Jahren immer kleine technische Schwächen gehabt, die ihn immer wieder gebremst haben“, sagte der Bundestrainer, „aber er hat im Sommer noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Neben Kubacki ist er dadurch im Moment der stabilste Athlet im Weltcup.“
Halvor Egner Granerud (Norwegen)
Er stand 2020 schon vor dem Abrutschen in den B-Kader. Sein Trainer Alex Stöckl hielt dann doch zu ihm – und dürfte die Sache nicht bereut haben. Am Ende des Winter hatte Granerud die große Kristallkugel des Gesamt-Weltcupsiegers in den Händen. Alleine bei Großereignissen konnte der 26-Jährige seine Fähigkeiten bis jetzt nur bedingt unter Beweis stellen. Für Horngacher ging Granerud im Sommer ein großes Risiko, in dem er die Skimarke wechselte. Doch: „Er ist vorher sgut gesprungen und jetzt springt er immer noch gut.“
Stefan Kraft (Österreich)
Er hat mit seinen 29 Jahren schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Natürlich auch die Vierschanzentournee. Ist allerdings lange her – 2015 stand er als bislang letzter Athlet aus den beiden Gastgebernationen des Traditionsturniers ganz oben auf dem Siegertreppchen. „Er hat als kleiner und leichter Athlet extrem gute Voraussetzungen, die er mit einem tollen Fluggefühl verbindet“, sagte Stefan Horngacher, „Und das zeigt er schon seit vielen Jahren.“ Kraft selbst stellt sich aber auf eine besondere Tournee ein. Der Rückkehr der Zuschauer wegen: „Da wird das Herzerl a bisserl schneller schlagen.“
Karl Geiger (Deutschland)
Im vergangenen Jahr schien alles gerichtet für einen Coup des besten deutschen Skispringers. In Gelb trat der mittlerweile 29-Jährige bei der Tournee an – und wurde Vierter. Vergleichbaren Ballast nimmt er in die 71. Tournee nicht mit. Horngacher traut ihm trotzdem eine Menge zu. „Topfavorit ist er nicht. Aber: An den beiden Trainingstagen, die wir nach Engelberg noch gemacht haben, hat er noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte der Bundestrainer, „das waren richtig starke Sprünge. Wenn er daran anknüpft, dann ist bei ihm alles drin.“