„Bin stolz, dass Körper und Kopf mitgemacht haben“

von Redaktion

Drei Medaillen, eine Hochzeit – Alex Burghardt über ihr Highlight-Jahr im Bob und auf der Bahn

München – Silber im Bob bei den Olympischen Spielen, danach zu WM-Bronze und EM-Gold mit der Staffel gesprintet. Und zwischendurch mal eben noch geheiratet. „Meine persönliche Goldmedaille“, sagt Alexandra Burghardt. Im Interview mit unserer Zeitung spricht die 28-Jährige über ihr Jahr voller Highlights – und warum nicht immer alles so rosig war, wie es von außen aussah.

Alexandra Burghardt, nach der EM in München sind Sie im Camper mit Ihrem Mann und Hund durch Südeuropa gereist. Wie wichtig war der Urlaub?

Es hat mega gutgetan. Für die Seele war es erholsam. Wenn auch nicht lang genug. Ich habe insgesamt acht Wochen Trainingspause gemacht, so lange wie noch nie. Ich hätte aber auch noch mal acht Wochen vertragen können (lacht). Ich habe genossen, mein Sozialleben mal wieder zu pflegen. Das hat in den letzten 18 Monaten doch sehr gelitten. Nach der EM in München war ich zudem körperlich am Limit, hatte überall Schmerzen. Daher war ich froh, einfach mal die Beine hochlegen zu können.

Olympia-Silber, WM-Bronze und EM-Gold. Es war ein Jahr voller Highlights für Sie.

Auf dem Papier sieht das immer so rosig aus. Es war aber oft alles andere als rosig. Das Jahr hat sehr an meinen Kräften gezehrt. Ich hatte den ein oder anderen Virus, eine Muskelverletzung. Es war oft stressiger, als ich mir das gewünscht habe. Ich hatte immer den Druck, wieder für den Wettbewerb fit zu werden und mich zu qualifizieren. Die Zeit war da oft mein größter Feind. Das war für den Kopf sehr anstrengend. Aber im Endeffekt hat ja alles geklappt. Ich bin sehr froh und stolz, dass Körper und Kopf da mitgemacht haben.

Denken Sie noch oft an den goldenen Abend vor über 40 000 Zuschauern im Olympiastadion?

Das war das Schönste, was ich sportlich je erlebt habe. Es war ein magischer Abend. Ein Sommermärchen, das dann durch unseren Gold-Staffellauf mit einem kitschigen Drehbuch endet (lacht). Ich habe auf der Ehrenrunde so viele bekannte Gesichter gesehen. Die Leute wollten ja auch alle gar nicht mehr raus aus dem Stadion. Das Olympiastadion ist seitdem für mich ein anderer Ort. Die Emotionen, die ich verspüre, sobald ich das Areal wieder betrete, sind berauschend. Manchmal kommt es mir jetzt erst. Es hat echt lange gedauert, das alles zu realisieren. Vor zwei Wochen war ich noch mal in der Werner-von-Linde-Halle zum Training und dachte mir: Krass, hier sind wir ja Europameister geworden. Während der Saison war ich mental in so einem Strudel. Es war alles stressiger, nicht so locker und frei. Da dauert es einige Zeit, ehe man den Erfolg dann auch richtig genießen kann.

Nach der WM in Eugene wurde die deutsche Leichtathletik stark kritisiert. Hat die EM da besonders gutgetan?

Wir haben uns intern im Team stark darüber ausgetauscht. Man muss da natürlich auch die Umstände mit einbeziehen und die Kritik in einem Kontext sehen. Ja, München war versöhnlich. Aber Probleme, die es vorher gab, sind auch nach München noch da. Der deutsche Frauensprint hatte selten so ein gutes Jahr und für uns ändert sich von der Förderung für das nächste Jahr überhaupt nichts. In dem Zusammenhang ist es also egal, ob wir die Medaillen gewonnen haben oder nicht. Das entspricht nicht wirklich einem Leistungsprinzip. Es ist jetzt noch nicht klar, ob nächstes Jahr alle Trainingslager wie geplant stattfinden können. Das ist schon schade, wenn man die Leistungen bringt und dafür nicht belohnt wird. Aber das ist ein anderes Thema. Man sieht auf jeden Fall, dass es noch viel Arbeit gibt.

Sie haben gesagt, dass Ihre Erlebnisse in diesem Jahr auch in ein Buch passen würden. Wann können wir uns also auf Ihren Debütroman freuen?

Vielleicht finden wir da draußen einen Ghostwriter, der das alles mal zusammenfasst (lacht). Man könnte sicherlich einige Seiten damit füllen. Ich selbst habe aber nicht vor, ein Buch zu schreiben, da bleibe ich doch lieber beim Sprint. Ich habe mich relativ schnell dazu entschieden, die Hallensaison zu machen. Und ich möchte auch zur Hallen-Europameisterschaft. Und die Weltmeisterschaft in Budapest nächstes Jahr ist auch ein sehr reizvolles Ziel.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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