Zum Tod von Pele

Der König lebt weiter

von Redaktion

WOLFGANG SPORER

In Brasilien sind drei Tage Staatstrauer angeordnet, die ganze Fußballwelt verneigt sich tief berührt, rund um den Planeten werden inbrünstig Hymnen gesungen auf den Mann, der Edson Arantes do Nascimento hieß und am Donnerstag im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Dieser Edson Arantes do Nascimento war: Pele. Der größte Fußballer aller Zeiten. Und wenn jetzt junge Menschen, die ihn nie in seinem Spiel erlebt haben, vielleicht fragen: Der war wirklich ein richtiger Star? Der hatte doch gar keine Tattoos! Dann ist die Antwort: Pele war viel mehr als das, was man heute einen Star oder Superstar nennt. In einer Zeit, in der es noch nicht üblich war, dass sich Fußballprominente vor ihrem Publikum albern inszenieren, zum Beispiel mit komischem Torjubelgetue.

Pele hat einfach seine unglaubliche Ballkunst für sich sprechen lassen, das hat gereicht, um die Dimensionen des Spiels zu verändern und Fußball auf eine neue Ebene zu heben. Peles Spiel war einmalig magisch, für viele Menschen auch eine Quelle der Inspiration, die weit über den Sport hinaus wirkte. So, wie das sonst vielleicht nur noch bei Muhammad Ali der Fall war.

Pele, der erste Fußballer, den die ganze Welt kennenlernte, hat ironischerweise mit seiner Besonderheit auch dazu beigetragen, dass der Fußball begann, sich hin zu einem globalen Spektakel zu entwickeln. Und letztlich zu einem Milliardengeschäft, das heute von dubiosen Typen wie dem FIFA-Paten Infantino kontrolliert wird. Ein absurdes Teilvermächtnis des großen Mannes aus der kleinen brasilianischen Stadt Três Corações (übersetzt: Drei Herzen), der selbst die Reinheit und Schönheit des Spiels verkörperte.

Jetzt ist Pele tot. Aber so lange auf der Welt Fußball gespielt wird, wird darin auch immer etwas von Edson Arantes do Nascimento zu spüren sein. So lebt er weiter. „O Rei“. Der König.

wolfgang.sporer@ovb.net

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