Garmisch-Partenkirchen – Mit ihren beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck beeindruckte Rosi Mittermaier ganz Wintersport-Deutschland – und eroberte die Herzen. Was die wenigsten wissen: Sie leistete damals auch einen nicht unerheblichen Motivationsschub für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft, die als krasser Außenseiter angetreten war und überraschend Bronze holte. „Sie hat uns mit ihren Erfolgen beflügelt“, berichtet Franz Reindl aus Garmisch-Partenkirchen, damals Spieler in dem legendären Team und ein Weggefährte der erfolgreichen Skirennläuferin, die als „Gold-Rosi“ in die Geschichtsbücher einging. Mit ihrer Heiterkeit und Hilfsbereitschaft habe sie die anderen Athleten regelrecht „elektrisiert“, erinnert sich das Eishockey-Urgestein. „Sie war eine großartige Person.“
In dem berühmten Wintersportort im Werdenfelser Land, zu dessen DNA der Skisport gehört, und im gesamten Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist die Bestürzung über den überraschenden Tod Rosi Mittermaiers mit nur 72 Jahren groß. In ihrem Heimatort wurde die Ehrenbürgerin und Ausnahmeathletin sehr geschätzt – als ein bodenständiger, herzlicher und hilfsbereiter Familienmensch. „Sie war eine von uns“, ist immer wieder zu hören. Auch ihre soziale Ader und ihre Bescheidenheit imponierten vielen. „Der Erfolg ist ihr nie zu Kopf gestiegen“, sagt Michael Maurer, Präsident des Skiclubs Partenkirchen. Ihr plötzlicher Tod sei „sehr dramatisch“.
Maurers Amtskollegin vom Skiclub Garmisch, Martina Betz, findet ähnliche Worte: „Rosi hat die Skiwelt im Allgemeinen und im Ort Garmisch-Partenkirchen geprägt“, erklärt sie.
Ski-Alpin-Experte Heinz Mohr, der in Garmisch-Partenkirchen den Olympia-Stützpunkt aufbaute und in Mittenwald lebt, kannte Rosi Mittermaier bestens. Er war in den 1970er-Jahren ihr Trainer und verhalf ihr zu den olympischen Weihen. „Sie hat eine Nation fasziniert und die ganze Welt besser gemacht“, schwärmt er noch heute. Ihr Talent sei einzigartig gewesen – eine „Naturkraft“. Man musste diese nur „herauslocken“. Denn Rosi sei ein eher zurückhaltender Mensch gewesen. „Sie wollte nie besonders auffallen.“
Ihr ärztlicher Betreuer in den 1970er Jahren war Dr. Hans-Wolfgang Bär, Orthopäde aus Seehausen. „Es ist traurig, dass sie so früh hat sterben müssen“, sagt der Mediziner, der obendrein ihr Schwager war. „Sie war ein unglaublich offener Mensch“, berichtet er. „Sie hat immer das Positive im Leben gesehen.“ Vor allem ihre Unbekümmertheit, die Dinge anzugehen, habe angesteckt. Einmal sei sie sogar mit einem eingegipsten, gebrochenen Unterarm ein Rennen gefahren. ANDREAS SEILER