Pokljuka/Köln – Von Enttäuschung über den undankbaren vierten Platz fehlte im Gesicht von Benedikt Doll jede Spur. Auch die Worte des ehemaligen Biathlon-Weltmeisters im Zielraum von Pokljuka deuteten keineswegs darauf hin, dass er wenige Minuten zuvor ganze 7,7 Sekunden am Podest vorbeigesprintet war. „In die Top Sechs zu laufen, ist eine gute Leistung. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Doll am ZDF-Mikrofon. Doch wieder einmal waren drei Norweger besser – und verhinderten Dolls zweites Treppchen der Saison.
Als erster der 93 Athleten hatte er nach zehn Kilometern auf der slowenischen Hochebene das Ziel erreicht, das bange Warten auf sein Ergebnis hatte aber schnell ein Ende – einmal mehr „dank“ der Überflieger aus Norwegen: Dominator Johannes Thingnes Bö, der wie Doll 19 von 20 Scheiben traf, lief mehr als eine Minute schneller, hinter ihm landete sein Bruder Tarjei Bö (0 Schießfehler/+48,1) vor Sturla Holm Laegreid (1/+55,6).
Doll war das herzlich egal. „Es war sehr anstrengend. Umso glücklicher bin ich, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat“, kommentierte er seine Leistung beim ersten Auftritt nach der Weihnachtspause. Bei „lahmen“ Bedingungen habe er sich auf der Strecke eher langsam gefühlt. Dass er auf der anspruchsvollen Wald-Strecke die fünftbeste Laufzeit aufwies, sagte etwas anderes. „Man muss das Laktat hier in der Höhe aushalten“, sagte Doll, der sich im Gesamtweltcup auf den siebten Platz verbesserte.
Auch den Fehler beim drittletzten Schuss, der ihn das Podest kostete, hatte Doll schnell abgehakt. „Wenn man zu lange zielt, wird es auch nicht besser“, sagte er: „Die Null sollte jetzt trotzdem in regelmäßigen Abständen kommen.“
Mit Blick auf die in fünf Wochen beginnende Heim-WM in Oberhof wäre das aus deutscher Sicht wichtig. Roman Rees erreichte zwar als Achter (1/+1:17,9) sein bestes Ergebnis seit dem Weltcup-Auftakt in Kontiolahti, doch dahinter offenbarten die deutschen Skijäger viel Nachholbedarf. Philipp Horn (1/+2:17,5) landete als 29. immerhin noch in den Punkterängen, wartet aber weiterhin auf die zweite Hälfte seiner WM-Norm. Justus Strelow (3/+2:41,2) und Johannes Kühn (4/+2:43,8) kamen auf den Plätzen 41 und 44 ins Ziel, David Zobel (3/+3:54,4) verpasste als 74. die Verfolgung.
Der Co-Trainer der Männer Uros Velepec bemühte sich im Anschluss, dass Ergebnis zu relativieren. „Im ersten Training im Januar, nach der Pause und dem Training fühlen sich manche gut, manche nicht. Es ist nicht das wichtigste Rennen in der Saison für uns“, sagte der Slowene.
Schon am Samstag (14.45 Uhr) bietet sich zumindest für Doll und Rees im Verfolger die nächste Podestchance. Zum Abschluss stehen am Sonntag erstmals in dieser Saison das Single Mixed (11.45 Uhr) und die Mixed-Staffel (14.25 Uhr/alle ZDF und Eurosport) an. sid