Der Himmel ist ihre Grenze

von Redaktion

SKI ALPIN Siegrekord für Shiffrin – Auch Djokovic, Woods & Co. stellt sie in den Schatten

VON MATHIAS MÜLLER

München/Kranjska Gora – Bei ihrem ersten Versuch auf Skiern landete Mikaela Shiffrin als Vierjährige kopfüber im Tiefschnee. „Ich dachte, ich bin gefangen. Hier komme ich nicht mehr raus“, verriet die US-Amerikanerin rückblickend. Zum Glück zog sie ihr Vater Jeff an den herausragenden Füßen wieder nach oben an die Luft.

23 Jahre später hat Shiffrin mit nur 27 Jahren den Siegrekord (82) von Landsfrau Lindsey Vonn geknackt – vor ihr liegt nur noch Ingemar Stenmark (86). Noch wohlbemerkt, denn der große Schwede unkte bereits 2019 bei der WM in Are: „Mikaela wird mehr als 100 Rennen gewinnen und das macht mir überhaupt nicht aus.“

Ähnlich blickte am Sonntag auch die eingeholte Vonn in die Zukunft: „Rekorde sind dafür da, um gebrochen zu werden. Für sie ist der Himmel die Grenze. Ich glaube nicht, dass Stenmark unbedingt der Maßstab ist. Sie wird den neuen Standard setzen, und wir müssen einfach abwarten, wie hoch sie ihn setzen kann.“

Schon nach ihrem ersten Slalom-Olympiasieg 2014 prophezeiten sämtliche Experten Historisches. Und Shiffrin erfüllte ihre Voraussagen mit drei Gesamtweltcupsiegen und allerlei Medaillen bei sämtlichen Großereignissen. Doch bei den Olympischen Spielen vor rund einem Jahr in Peking erfuhr ihre bisher so lupenreine Karriere einen großen Knick. Kein Edelmetall und drei Ausfälle bei ihren fünf Starts waren alles andere als Shiffrin-like.

Die junge Frau aus Vail, die jeden Schwung auf den brettharten Pisten des Ski-Zirkus so butterweich aussehen lässt, hatte ihre Selbstsicherheit verloren. Das lag auch daran, dass sie immer noch am überraschenden Tod ihres Vaters zu knabbern hatte, der zu Hause unglücklich vom Dach gestürzt war. Einer, der ihr aus dem Tief – Shiffrin dachte sogar an den Rücktritt – half, war ihr Freund Aleksander Aamodt Kilde, Ski-Profi aus Norwegen. „Alex war einer der ersten Menschen, mit dem Mika wieder Spaß an Gesprächen hatte“, erzählte ihre Mutter Eileen einmal. Shiffrin schwärmte gegenüber NBC von seinem Charakter: „Ich habe so viel gelernt von ihm, von seiner positiven Einstellung.“ Sie selbst hat durch Olympia und die Gespräche mit ihrem Freund ein neues Lebensmotto gefunden, das auch zu ihren ersten Momenten auf Skiern passen würde. „Hinzufallen bedeutet nicht, dass du ein Fehler bist“, so Shiffrin. „Es gibt dir die Chance jedes Mal wieder aufzustehen und neue Erfolge zu feiern.“

Für die Ski-Konkurrenz muss das fürchterlich klingen, ebenso für die Rekordjäger anderer Sportarten. Bei 232 Starts ging die Überfliegerin 82-mal als Champion hervor. Mit dem Siegquotient von 0,352 Prozent liegt sie an der Spitze – vor illustren Helden wie der zweitplatzierten Tennis-Größe Novak Djokovic (0,329) oder Golf-Idol Tiger Woods (0,221).

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