München – Er muss die Augen kurz zusammenkneifen, legt den Kopf leicht nach hinten. Nachdenkpose, wenn die Zeit verschwimmt. Wann hat Nico Appendino, 23, zum letzten Mal für den ESV Kaufbeuren in der DEL2 gespielt? „Das wird so einen Monat her sein, aber genau könnt’ ich’s auch nicht sagen.“ Wie viele Spieler, die mit einer Förderlizenz ausgestattet sind, ist Appendino sozusagen eine gespaltene Persönlichkeit: Läuft mal hier auf, mal da. Wobei sich die Gewichte in den vergangenen Wochen nach München verschoben haben: 31 Einsätzen für den EHC stehen zehn für den Allgäuer Zweitligisten gegenüber.
Der EHC München hatte in der dicht getakteten Phase um Weihnachten wegen Verletzungen und Abstellungen für die U 20-WM leichte personelle Probleme. „im Grunde haben wir mit drei Reihen gespielt“, so Trainer Don Jackson. Da war er froh, Nico Appendino in der Hinterhand zu haben. Gelernter Verteidiger, aber in der Lage, als Stürmer einzuspringen. Dafür gab’s ein Extralob vom Coach, und Appendino sieht es als Fortbildungsmaßnahme: „Eine gute Erfahrung und Gelegenheit, das Spiel anders zu verstehen.“
Vor zweieinhalb Jahren war Appendino drauf und dran, in München durchzustarten. In der Vorbereitung und der Champions League hatte er sich auf einen Stammplatz gespielt. Eine Knieverletzung bremste ihn aus, „es gab dann noch einen Zwischenfall, ich musste nochmals operiert werden“. Zwei Spielzeiten verstrichen so, „nun kann ich wieder voll und schmerzfrei spielen“. Um ihn voranzubringen, schloss der EHC München eine Förder-Vereinbarung mit Kaufbeuren ab. Appendino, nut 1,71 Meter groß, aber ein Kraftpaket, fühlte sich auch beim Traditionsverein gut aufgenommen und freut sich darüber, „dass beide Clubs in ihrer Liga vorne mitspielen“. Kaufbeuren ist Zweiter in der DEL2, München führt die DEL an. „Es macht mehr Spaß, zu gewinnen.“
Nico Appendino ist schon gut herumgekommen im Eishockey: Angefangen hat er „in meiner Heimatstadt Berlin“, im Alter von 14 bis 18 spielte er für die Kölner Junghaie, anschließend gut zwei Jahre in nordamerikanischen Juniorenligen. Es folgte eine Saison in der Red-Bull-Akademie und der österreichischen AlpsHockeyLeague. 2020 die Beförderung nach München.
Über eine kritische Grenze ist Nico Appendino schon hinweg. Er fällt nicht mehr unter die U 23-Regel, die die Plätze der jungen Spieler schützt. „Für mich seit dieser Saison irrelevant.“ Die Hälfte der Akteure verliert dann den Job in der DEL, er hat seinen behalten.
Es geht jetzt darum, sich auch für die kommende Saison zu empfehlen. Für München oder einen anderen DEL-Standort.