München – Ist Linus Strasser aktuell stärker denn je? Auch wenn ein Sieg in dieser Saison noch fehlt, zeigen die Umstände, wie sehr der Münchner Slalom-Spezialist in Form ist. Nach dem Ausscheider auf dem Gudiberg, als er auf Podestkurs lag, folgte mit dem dritte Platz in Adelboden sein zweites Podest der Saison – und dass, obwohl der 30-Jährige immer noch die Folgen eines Infekts spürt und zuletzt kaum trainiert hat. „Extrem stabil, total unkompliziert und trotzdem immer schnell“, beschreibt der 30-Jährige sein momentanes Skifahren. Stabilität trotz Geschwindigkeit ist wohl der Traum eines jeden Slalomfahrers. Gerade in der so dichten Weltspitze, die so viel Risikobereitschaft verlangt.
Der Fahrer des TSV 1860 München ist im Gedränge der besten Stangenkünstler mittendrin. Ebenso wie sein österreichischer Freund Manuel Feller, der schon seit jeher durch seinen riskanten Fahrstil auffällt. „Vor zehn Jahren hat man noch ein, zwei Fehler machen können und ist ein Podium gefahren, dass spielt sich heute mal gar nimmer“ sagt der 30-jährige Tiroler zu unserer Zeitung über die Entwicklung des Slaloms. Für ihn glichen vor allem die zweiten Läufe immer einem „Gemetzel“, „in dem alles passieren kann.“ In Adelboden fiel der aktuell beste österreichische Slalomfahrer im zweiten Lauf vom vierten auf den siebten Rang zurück.
Für den – wie Strasser – in den letzten Wintern konstanter gewordenen Fieberbrunner ist die kleine Kristallkugel der Slalomwertung „ein großes Ziel“ und wäre für ihn sogar mehr wert, als WM-Gold. „Wenn Du die Kugel machst, bist du einfach der Beste in einer Saison. Das ist von der Leistung höher einzuschätzen“, sagt Feller.
Aktuell liegt er auf dem zweiten Rang der Slalom-Wertung, neun Punkte hinter dem Norweger Lucas Braathen. Strasser auf Rang sechs hat auf diesen 110 Punkte Abstand, 100 sind in einem Rennen theoretisch aufzuholen. Sechs Slaloms stehen in dieser Saison noch aus – für Strasser und Feller aber auch für Henrik Kristoffersen, Daniel Yule oder Loic Meillard, die die Slalomkugel wohl alle mehr oder weniger im Hinterkopf haben dürften. tj