München – Hasan Salihamidzic (46) ist kein Freund von Winter-Transfers. Im Januar 2023 muss er aber handeln, weil sich Keeper Manuel Neuer verletzt hat. Mit unserer Zeitung spricht der Sport-Vorstand des FC Bayern über die Torwartsuche, die Kaderplanung und die Zukunft von Fanliebling Thomas Müller.
Herr Salihamidzic, Sie haben Ihre Haare raspelkurz rasiert. Warum?
Ich bin im Angriffsmodus für die Rückrunde, das ist der Haarschnitt „Attacke“ (lacht)
Zum Sportlichen: Wie läuft die Kaderplanung beim FC Bayern ab?
Man muss Ziele definieren, die umsetzbar sind. Man muss das Finanzielle mit den sportlichen Zielen in Einklang bringen.
Welche Rolle spielt Oliver Kahn dabei?
Oliver ist der CEO. Wir kennen uns ja schon sehr lange, wir verstehen uns sehr gut, und wir vertrauen uns. Das macht mich froh. Er hat die Zeit in Doha genutzt, um ein paar Termine zu machen und auch mit mir Gespräche zu führen. Wir tauschen uns oft aus, essen gemeinsam und schauen uns das Training an. Wir ergänzen uns sehr gut. Natürlich ist er sehr interessiert und wir diskutieren über Kaderfragen.
Der Technische Direktor Marco Neppe weicht gefühlt nie von Ihrer Seite.
Marco und ich sind ständig im Austausch. Jeden Tag sprechen wir über Spiele und Spieler. Wir haben ein hervorragendes Verhältnis und denken strategisch in dieselbe Richtung. Wir schauen viel Fußball, und ich bin bei vielen Scouting-Sitzungen dabei. Aber Marco arbeitet noch intensiver mit den Scouts. Danach kommt er zu mir und wir diskutieren die Themen. Am Ende kommen wir immer zu einer Meinung, hinter der wir zu hundert Prozent stehen.
Und der neue Chefscout Markus Pilawa?
Er organisiert, filtert vor und leitet die Scouting-Abteilung. Wir sind sehr zufrieden damit, wie er seinen Job macht. Er passt sehr gut in unsere Philosophie. Er weiß genau, was wir brauchen, wie wir suchen und was wir wollen. Er ist sehr fleißig, akribisch und organisatorisch sehr gut. Er hat das Verständnis von Fußball und der Mannschaft, das wir haben. Deswegen sind wir auch zusammengekommen.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit Trainer Julian Nagelsmann?
Alles um den Kader herum, managen wir sehr gut. Wir verstehen uns gut, kommunizieren hervorragend und wir analysieren zusammen. Eine bessere Zusammenarbeit kann man sich kaum vorstellen. Julian versteht den Klub, genauso wie wir den Trainer. Wir ergänzen uns optimal.
Der FC Bayern hat auch ein sogenanntes Schattenteam. Dabei stellt das Scouting-System eine Mannschaft mit Vorschlägen für jede Position zusammen.
Es gibt so viele Fußballer auf der Welt. Wir schauen, welche für uns infrage kommen. Wenn es um die einzelnen Positionen geht, analysieren wir, was wir haben und was wir brauchen. Wir versuchen, jede Position doppelt zu besetzen. Wir haben für jede Position die Spieler in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Wir schauen viel Fußball, von daher verändert sich das Schattenteam ständig. Es gibt viele junge Spieler, die groß herauskommen, aber auch Spieler, die wir beobachtet haben und uns gefallen. Das ist immer ein Mix. Wir sind sehr gut organisiert und arbeiten sehr genau. Wir schauen uns viele Videos an, unsere Scouts sind natürlich auch oft in den Stadien zur Beobachtung. Marco und ich filtern das dann und schauen, dass wir immer wieder auf dem neuesten Stand sind.
Jahrelang hieß es, Thomas Müller spielt immer. Ist er noch immer unantastbar?
Thomas ist einer, der große Erfahrung hat. Wir wissen, was wir an ihm haben. Klar, Konkurrenzkampf beim FC Bayern ist immer da. Wir brauchen jeden Spieler. Jeder Spieler, ob Jung oder Alt, wird seine Leistung bringen müssen. Die Besten werden spielen.
Wie geht es Manuel Neuer nach seinem offenen Schien- und Wadenbeinbruch?
Seine Verletzung trifft uns hart. Manuel geht es den Umständen entsprechend gut. Sicherlich dauert es noch einige Monate, bis er wieder zurückkommt. Aber er bekommt von uns alle Zeit der Welt, um diese schwere Verletzung auszukurieren und zurückzukommen.
Warum ist die Suche nach Ersatz für Stammtorwart Manuel Neuer so schwierig?
Wir müssen schauen, dass der FC Bayern die bestmögliche Lösung für die laufende Saison findet. Da das auf dieser Position und dann noch im Winter nicht so einfach ist, sind wir sehr beschäftigt und schauen, was unsere Optionen überhaupt sind.
Wann unterschreibt Gladbach-Torhüter Yann Sommer bei Bayern?
Ich spreche ungern über Spieler von anderen Klubs. Es gibt verschiedene Optionen, an denen wir arbeiten.
Ist eine Rückhol-Aktion von Alexander Nübel noch Thema?
Wir haben eine sehr gute Kommunikation. Aber da sitzen wir nicht auf dem Fahrersitz. Es hängt immer vom abgebenden Klub ab. Da Monaco auch gewisse Vorstellungen hat, ist auch das nicht so einfach.
Welche Qualitäten braucht der neue Bayern-Torwart?
Er muss stark halten und sollte auch gut Fußball spielen können. Er muss uns für die laufende Saison helfen. Und ob sein Engagement dann darüber hinausgeht, wird man sehen.
Haben Sie sich eine Deadline bei der Torwart-Suche gesetzt?
Nein. Die Transferperiode endet am 31. Januar, aber wir hätten natürlich gerne schon zum ersten Bundesligaspiel am 20. Januar in Leipzig eine Lösung.
Falls kein neuer Keeper kommen sollte: Trauen Sie Sven Ulreich zu, Stammtorwart zu sein?
Ja, natürlich. Wir haben uns mit Ulle unterhalten und gesagt, dass wir daran arbeiten, was für den FC Bayern das Beste wäre. Wir haben auch großes Vertrauen in Ulle. Wenn er in dieser Saison gespielt hat, hat er es sehr gut gemacht. Deswegen ist er natürlich auch eine Option.
Wann kommt Sadio Mané zurück?
Er macht weiter sein Reha-Programm. Er ist auf einem guten Weg, er liegt im Plan. Bis zum Comeback dauert es aber noch einige Wochen.
Reicht es für das Achtelfinale gegen Paris?
Das muss man sehen. Das wird sehr knapp, glaube ich. Sadio ist sehr ehrgeizig. Aber wir müssen schauen, dass er wieder gut aus der Verletzung rauskommt.
Interview: Philipp Kessler