Frankfurt/Main – Beim Chef braucht es keine Überzeugungsarbeit. Die Idee von Rudi Nationale würde Bernd Neuendorf ganz ohne Bedenken mittragen. „Ich schätze ihn außerordentlich, wir haben ein sehr gutes, vertrauensvolles Verhältnis – er ist ein echter Typ“, schwärmte der DFB-Präsident. Rudi Völler sei „ein Sympathieträger“, der auch fachlich „viele Voraussetzungen“ mitbringt. Doch ist er tatsächlich in der Pole Position für die Nachfolge von Oliver Bierhoff?
Da lässt sich Neuendorf nicht in die Karten schauen. Beim nächsten Treffen werde die Taskforce am kommenden Donnerstag erst noch die Kriterien für den Posten genauer definieren. „Dann werden wir gucken, wer am besten darauf passt.“
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat sich Völler längst als Wunschlösung für die anderthalb Jahre bis zur Heim-EM herauskristallisiert. Der Ball liegt beim Weltmeister von 1990. Der „kicker“ berichtet von einer Bedenkzeit, in der sich der 62-Jährige befinde. Selbst der anfangs als Favorit auf die Bierhoff-Nachfolge gehandelte Fredi Bobic zeigt sich von der kolportierten Lösung begeistert.
„Wenn mich einer nach Rudi Völler fragt, sage ich: Na klar“, so der lange selbst als Kandidat gehandelte Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC: „Überragend, volle Unterstützung. Ich liebe Rudi, den hätte ich schon viel früher auf dem Zettel gehabt.“ Völler sei einer, „der kommunikativ stark ist, der auch vereinen kann“. „Wir werden zeitnah entscheiden können“, versicherte Neuendorf.
Zeitnah dürfte er angesichts der Ausgangslage ohne Gegenkandidat auch ins FIFA-Council aufrücken – und will dort klare Kante zeigen. „Wir haben den Anspruch, was politische Dinge und Menschenrechte betrifft, unsere Themen zu platzieren – nicht nur bei der Vergabe von künftigen Turnieren“, so der frühere SPD-Politiker. Es gehe dabei neben der Bildung internationaler Allianzen auch um „transparentere Entscheidungsprozesse“.
Um in die Weltspitze zurückzukehren, sei derzeit allerdings „der sportliche Fokus sehr stark“. Und vielleicht hilft dabei ja auch Rudi Völler mit. sid