München – Die Rallye Dakar auf dem Meer, der Everest des Segelns. Die Superlative überschlagen sich jedes Jahr aufs Neue. Am Sonntag fällt in Alicante der Startschuss für das Ocean Race. Unsere Zeitung beantwortet alle Fragen zum spektakulären Segelwettbewerb.
Wie lange dauert das Ocean Race?
In rund sechs Monaten absolvieren die fünf Teams auf sieben Etappen verteilt 32 000 Seemeilen (60 000 Kilometer). Und der Start wird schon entscheidend sein. „Wer als Erstes in Gibraltar ankommt, wird auch Erster auf den Kapverden sein“, sagt der deutsche Skipper Boris Herrmann (41). „Bis Gibraltar ist es Topfschlagen im Mittelmeer. Draußen im Atlantik ist der Passat-Wind etabliert. Ab da geht es wie auf einer Autobahn mit Vollgas Richtung Kapverden.“
Mit wem segelt Boris Herrmann?
Spätestens seit seiner Premiere bei der Vendée Globe 2020/21 ist Boris Herrmann nicht nur Segelfans ein Begriff. Bei der Solo-Reise um die Welt beteiligte sich der Hamburger an einer Such- und Rettungsaktion für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier (dieses Jahr Teilnehmer beim Ocean Race) und wurde kurz vor der Ankunft von einem Fischereiboot gerammt. Am Ende sprang ein fünfter Platz heraus. „Einsamkeit ist wirklich schlimm“, sagt Herrmann. Umso besser, dass er beim Ocean Race mit einer erlesenen Crew segelt. Je Team müssen eine Frau und ein On-Board-Reporter dabei sein. Drei Segler und eine Seglerin sind gleichzeitig im Einsatz, das Personal rotiert auf den Abschnitten. Eine Kurzvorstellung des „Team Malizia“. Yann Elies: 48, weltbekannter französischer Segler, Berater und Coach von Herrmann. Axelle Pillain: 32, Frankreich. Doktortitel in angewandter Mathematik für die Bildgebung des Gehirns. Begann nach einer erfolgreichen Turnkarriere mit dem Segeln. Rosalin Kuiper: 26, Niederlande. Nahm vor der Segelkarriere an Leichtathletikmeisterschaften teil. Bachelor-Abschluss in Psychologie mit den Schwerpunkten Sportpsychologie und Gruppendynamik. Will Harris: 28, Großbritannien. Studium der Ozeanographie. Unterstützt das Team als Navigator und Meteorologe. Nicolas Lunven: 39, Frankreich. Hat sich auf die Wetteranalyse- und Taktik spezialisiert. Gewann zweimal Regatta Solitaire du Figaro. Hinzu kommt On-Board-Reporter Antoine Auriol.
Wie sieht das Leben an Bord aus?
„Privatsphäre gibt es eigentlich nicht“, sagt Herrmann, „wir haben noch nicht mal jeder einen eigenen Schlafsack.“ Komfort spielt keine Rolle. Der Toilettengang wird in einem Eimer oder über Bord erledigt. Die Gerichte sind meist gefriergetrocknet. Gabeln sind nicht erlaubt. Die Gefahr, sich aufzuspießen, sei zu groß. Und auch die Ruhephasen fallen eher unruhig aus. „Wir haben das Problem, dass wir beim Liegen häufig geschüttelt oder hin- und hergeworfen werden“, sagt Herrmann. Teilnehmerin Annie Lush bestätigte, dass schlafen auf dem Boot ziemlich schwierig ist, „weil man das Gefühl hat, dass das Schiff ständig explodiert, und eine Million verschiedene Alarme ausgelöst werden.“
Und wer gewinnt?
Insgesamt starten nur fünf Boote in der Imoca-Klasse (maximale Rumpflänge 18,28 Meter). Neben Herrmann sind weitere Deutsche am Start. Die Kielerin Susann Beucke ist Teil der Crew von Escoffier. Robert Stanjek (Co-Skipper) und Philipp Kasüske gehören zum „Team Europe“. Viele Experten sehen das „1th Hour Racing Team“ als Favoriten an. „Es sind keine Abenteurerteams dabei, die nur ankommen wollen“, sagte Herrmann: „Es wird spannend!“ nms