Deutsche Biathleten

Trotz Euphorie ist Geduld gefragt

von Redaktion

VON THOMAS JENSEN

Es war nicht das erste Heim-Highlight der Saison, als die deutsche Männer-Staffel am Freitag in Ruhpolding Zweiter wurde. Sondern der erste richtige Höhepunkt vor den eigenen Fans nach einigen Jahren. Wie stark euphorisiert die deutschen Skijägerinnen und -Jäger in den vergangenen Tagen durch die Heimkulisse schon waren, war deutlich spürbar. Und das, obwohl die Ergebnisse in den Einzelrennen eher enttäuschend waren. David Zobel etwa berichtete, dass er bei seinem allerersten Schuss in dieser Woche wegen der Lautstärke sogar etwas erschrocken sei. Nicht verwunderlich: Er gehört zu den vielen deutschen Athleten, die Ähnliches wegen der Corona-Pandemie noch nicht erlebt haben.

Dass viele im Männer- und Frauenteam gerade neue Erfahrungen sammeln, darf in einer Bewertung der aktuellen Leistungen nicht vergessen werden – auch wenn die Stammkräfte nicht mehr ganz jung sind. Die Drucksituation eines Heimweltcups ist eben speziell. Für viele ist es zudem die erste Saison, in der sie konstant zum Weltcup-Team gehören (z. B. Anna Weidel, Sophia Schneider, David Zobel, Justus Strelow).

Auch der gesteigerte Fokus auf diese Sportler ist neu. Denn von bekannteren und erfolgreicheren Gesichtern, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abfingen, sind nicht mehr viele übrig. Angesichts dieser Lernphase auch mal mit mittelmäßigen Ergebnissen zufrieden sein zu müssen, wie es Athleten und Trainer ausführen, ist normal.

Ebenso normal ist es, dass die Unzufriedenheit angesichts vieler mittelmäßiger Ergebnisse zuletzt im erfolgsverwöhnten Biathlon-Deutschland wuchs. Wenn Denise Herrmann-Wick oder Benedikt Doll nicht in die Top Ten liefen, tat es niemand sonst. Umso wichtiger sind so gute Staffel-Leistungen wie am Freitag für die Stimmung.

Die Hoffnung auf Edelmetall bei der nahenden Heim-WM in Oberhof ist in letzter Zeit zwar nicht gestiegen. Aber die Hoffnung auf vereinzelte Medaillen ist zumindest noch berechtigt. Im besten Fall lernen viele der deutschen Athleten gerade so schnell, dass sie schon in Oberhof abgeklärter auftreten können und sich das auch in den Ergebnissen zeigt.

Falls nicht, gibt es dann spätestens in der kommenden Saison keine Ausreden mehr.

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