München – Man müsste meinen, die anderen Teams der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen ungern in München – weil die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage gegen den Tabellenführer EHC am größten ist. Tatsächlich aber können die Münchner ein sehr dankbarer Gegner sein – Harold Kreis, Trainer der Schwenninger Wild Wings, sieht das zumindest so. „Für uns waren sie genau der richtige Gegner. Denn sie zwingen dich, dein bestes und diszipliniertestes Eishockey zu spielen. Ohne das hast du keine Chance.“ Und noch eine augenzwinkernde Anmerkung des potenziellen künftigen Bundestrainers Kreis zum 2:1-Sieg in München: „Ich habe zu Alexander Karachun gesagt: ,Gott sei Dnk hast du das Tor so spät geschossen, dass München nicht mehr viel Zeit hatte.“ 2:48 Minuten vor Schluss fiel der Schwenninger Siegtreffer.
Solche Spiele kommen vor; auffällig ist, dass der EHC sie trotz aller Dominanz, die er ausstrahlt, in den vergangenen vier Wochen gleich dreimal zu Hause erlebte: Er unterlag Bremerhaven (2:4), Düsseldorf (2:5), nun Schwenningen (1:2). Trainer Don Jackson ist aber nicht sonderlich beunruhigt: „Bisher haben wir es immer geschafft, im nächsten Spiel zu antworten.“ Zwei verlorene DEL-Partien am Stück gab es nur einmal – im Oktober, da folgte einem 1:5 gegen Schwenningen (der Heim-Angstgegner) ein 0:1 in Bremerhaven.
Der nächste Gegner, der nun büßen soll, ist am Sonntag Augsburg, um 16.30 Uhr muss der EHC bei den Panthern antreten, die akut abstiegsgefährdet sind – was bei den Münchner Fans Anklang findet, die EHC-Verantwortlichen aber besorgt.
Auf Führungsebene ist das Verhältnis der Rivalen intakt, nahezu freundschaftlich, zudem weiß das Münchner Management, dass keine andere Paarung das Publikum so mobilisiert wie das oberbayerisch-schwäbische Derby. Ein Wegfall im Kalender würde schmerzen. Doch ob die Panther noch wegkommen vom vorletzten Platz, der in die DEL2 führt, falls Kassel, Krefeld oder Dresden Meister werden und einen Platz in der höchsten Liga beanspruchen? Ins neue Jahr starteten die Augsburger furios – allerdings gewohnt unglücklich: In Wolfsburg gaben sie in den letzten sieben Minuten eine 6:2-Führung aus der Hand (Ausgleich in der Schlusssekunde), gegen Iserlohn entglitt ein Punkt in der 58. Minute, gegen Nürnberg patzte der AEV in der letzten Minute und kassierte nach fünf Sekunden der Verlängerung das Tor zur Niederlage.
Schwenningen hat sich mit dem Coup in München aus der Reichweite der Augsburger wieder abgesetzt. „Der Abstieg ist kein Thema, das wir diskutieren“, sagte Harold Kreis, „wir blicken nach oben.“ GÜNTER KLEIN