Duell im Maschinenraum

von Redaktion

Laimer spielt wohl ein vorletztes Mal gegen Bayern, dann wird er Kimmichs Nebenmann: Passt das?

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Diese Woche, die letzte, bevor der Ball ab heute endlich wieder rollt, hielt für Joshua Kimmich ein wenig Abwechslung bereit. Genug hatte der 27-Jährige seit dem Trainingsstart des FC Bayern über das viel zitierte – und angeblich nicht eingetretene – WM-Loch gesprochen, auch die Ziele mit dem Rekordmeister sind ausführlich erörtert. Da war es doch ganz nett, dass es vor dem Knaller-Auftakt gegen RB Leipzig mal um den Gegner gehen durfte, zu dem Kimmich bekanntlich eine besondere Beziehung hat. In der „Leipzigerer Volkszeitung“ sagte der „Ex“: „RB ist unter Marco Rose zurück beim RB-Fußball. Mit Leidenschaft, Mut, Tempo, hohem Pressing.“

Kimmich hat diese Schule zwischen 2013 und 2015 durchlaufen, heute gibt es freilich andere Schlüsselspieler – vor allem Rückkehrer Konrad Laimer. Der 25-Jährige, eigentlich wichtigster Mann im Maschinenraum des Tabellendritten, ist in der Bundesliga zuletzt im September aufgelaufen, wurde mit Syndesmosebandriss schmerzlich vermisst – und ist jetzt heiß auf seine wohl vorletzte Partie gegen den FC Bayern (das Liga-Rückspiel in München steigt am 20. Mai).

Auch wenn der ursprüngliche Plan der Bayern, den Deal vor dem aktuellen direkten Duell durchzubringen, nicht ganz aufging, ist es ja ein offenes Geheimnis, dass der Wunschspieler von Julian Nagelsmann ab Sommer in München aufläuft, also konkret: neben Kimmich. Im roten Trikot soll sich dann ein Duo finden, das unterschiedlicher kaum sein – aber sich gut ergänzen könnte. Vor allem wenn man Nagelsmanns selbst formulierte Philosophie – „Spielkontrolle durch hohe Balleroberung und Tempowechsel im Ballbesitz“ – heranzieht.

Dass sich der Bayern-Coach dafür eigentlich schon seit dem Sommer „einen echten Sechser“ wünscht, soll keineswegs als Kritik an Kimmich, sondern als Lob für Laimer verstanden werden. Der Österreicher stand in den vergangenen fünfeinhalb Jahren für die DNA des RB-Kosmos (Umschalten, Pressing, Balleroberung) und hat sich zu einem Aggressor entwickelt, der in Reihen der feinfüßigen Bayern tatsächlich fehlt. Schon im Jahr 2019 war er in den europäischen Top-5-Ligen der intensivste Zweikämpfer. Seine Quote ist ausbaufähig, nicht jedes Duell lohnt sich. Mit 1,7 Balleroberungen pro 90 Minuten aber stand Laimer in der vergangenen Saison vor Kimmich (0,7) und auch Leon Goretzka (0,9), mit dem er um den zweiten Sechser-Platz konkurriert.

Laimers Kernkompetenz ist klar, Ralph Hasenhüttl bezeichnete ihn einst als „Tier gegen den Ball“. Zudem ist der Rechtsfuß schnell: Beim Topspeed von 35 km/h kann Kimmich (32,5) nicht ansatzweise mithalten. Dafür hat der designierte Kapitän dem baldigen Neuzugang im Spiel nach vorne einiges voraus, nicht nur technisch.

Während Laimer oft zu hektisch agiert, hat Kimmich stets Ruhe und Übersicht. Allein in dieser Saison konnte der ligaweit die meisten Torschussvorlagen (43) beitragen. Bestwerte sind auch 105 Ballbesitzphasen pro 90 Minuten. Es ist kein Zufall, dass Kimmich in den ersten 15 Saisonspielen schon 20 Mal per Foul vom Ball getrennt werden musste. Auch seine Zweikampfquote (54 Prozent) ist deutlich besser als die von Laimer (42,5).

Den direkten Vergleich wird es heute Abend (20.30 Uhr) geben. Nagelsmann wird da freilich genau hinschauen, beeinflussen aber wird das Spiel seine Meinung bzw. den Transfer nicht mehr. Der Coach weiß, dass er Leidenschaft, Mut und Tempo – also ein Stück „RB-Fußball“ – beim FC Bayern gut gebrauchen kann.

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