Es ist wieder so weit. Nicht nur die Tatsache, dass der Bundesliga-Ball nach 68 Tagen XXL-Winterpause heute Abend wieder rollt. Sondern vor allem all das, was wie immer in den Tagen zuvor passiert ist. Stimmen zur Liga-Lage gab es aus allen Teilen der Republik – die Kurz-Zusammenfassung: Der SC Freiburg, immerhin Tabellenzweiter, will sich nicht als Meisterschaftskandidat verstanden wissen. RB Leipzig, Tabellendritter und Bayerns Auftaktgegner, sieht sich in einem langjährigen Prozess auf dem Weg nach oben. Und Borussia Dortmund, auf Rang sechs schon neun Punkte abgehängt, ist halt Borussia Dortmund. Same procedure as every year.
Nun sind in dieser WM-Saison ja tatsächlich erst 15 Spieltage über die Bühne gegangen, die Spielzeit ist also nach dem Jahreswechsel so wenig fortgeschritten wie noch nie zuvor. Und trotzdem gibt es beim Blick auf die Tabelle keinen wirklichen Grund, auch nur ansatzweise am elften Serienmeister-Titel des FC Bayern zu zweifeln. Den „Wenn-nicht-jetzt-wann-dann“-Moment hat die Konkurrenz im Herbst verschlafen, als die Mannschaft von Julian Nagelsmann vier Spiele ohne Sieg blieb und als Fünfter mit fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Union Berlin in die Länderspielpause ging. Alles, was danach kam, folgte der bekannten Logik: Die Bayern haben seit der Saison 2012/13 jeden Rückstand aufgeholt, weil allen noch so aussichtsreichen Kandidaten die Konstanz fehlt. Auch hier: Same procedure as every year.
Es hört sich natürlich weitsichtig und solidarisch an, wenn ein Mann wie Oliver Kahn pünktlich zum Restart verlauten lässt, sich im Sinne der Spannung „offen für alles“ zu zeigen. Tatsächlich aber darf die beunruhigende Entwicklung, die die Bundesliga im vergangenen Jahrzehnt genommen hat, nicht nur denjenigen angelastet werden, die halt auf allen Ebenen besser sind als der Rest. Dass das Schwert zweischneidig ist – die internationalen Erfolge des FC Bayern waren der Attraktivität der Liga in den letzten Jahren sicher nicht unzuträglich –, macht die Sache noch komplizierter. Auch die neue DFL-Führung wird die Gretchenfrage „Lassen sich 34 Tage Spannung daheim und große Titel deutscher Teams vereinen?“ nicht hinreichend beantworten können.
Es bleibt daher nichts anderes, als sich an jede positive Entwicklung zu klammern. Dass sechs deutsche Teams die Gruppenphasen der europäischen Wettbewerbe überstanden haben, ist die eine. Für eine andere, immerhin einen Hauch von Spannung, könnte Leipzig heute Abend mit einem Sieg sorgen. Gewinnt hingegen Bayern das Auftaktspiel, kann Fußball-Deutschland wohl kurz nach Ostern sagen: „Es ist wieder so weit.“ Same procedure as every year.
Hanna.Raif@ovb.net