München – Hinter Bayern-Neuzugang Yann Sommer (34) liegen turbulente 24 Stunden. Im roten Privatjet ging es für den neuen Münchner Torhüter am Mittwoch von Düsseldorf nach München, wo er um 18.27 Uhr landete. Der Schweizer wurde danach direkt ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gefahren.
Über zwei Stunden dauerte die Untersuchung, ehe Sommer gemeinsam mit Ehefrau Alina an die Säbener Straße fuhr, wo der Medizincheck finalisiert wurde. Die Zeit drängte, immerhin sollte der Ersatzmann für den verletzten Manuel Neuer (36/Unterschenkelbruch) am Abschlusstraining teilnehmen und anschließend in den Flieger nach Leipzig steigen. Was er am Donnerstag auch tat. Zwei Stunden bevor die Verpflichtung offiziell verkündet wurde, trat Sommer mit den neuen Kollegen auf den Trainingsplatz. Damit war klar: Zum Liga-Wiederauftakt gegen RB heute Abend (20.30 Uhr) wird Sommer zwischen den Pfosten stehen und Sven Ulreich auf der Bank sitzen.
Leipzig-Trainer Marco Rose kommentierte das Sommer-Theater mit einem Schmunzler. „Er hat mich angerufen und gesagt, wenn du mich nicht nimmst, gehe ich zu den Bayern“, scherzte er. Seriöser äußerten sich die Bayern, bei denen Sommer einen Vertrag bis 2025 unterschrieb und mit der Nummer 27 auflaufen wird: „Nach Manuels Ausfall mussten wir reagieren. Wir haben für diese Saison große Ziele, die wir erreichen wollen, und haben deshalb Yann Sommer engagiert, den wir für einen der besten europäischen Torhüter halten“, sagte Hasan Salihamidzic. Oliver Kahn ergänzte: „Er bringt alles mit, um bei uns sofort seinen Teil zum Erfolg beitragen zu können.“
Manuel Neuer hat den Rummel um seinen neuen Kollegen daheim am Tegernsee hingegen nur am Rande mitbekommen. Der bekanntlich die gesamte Rückrunde verletzte Nationalkeeper blendet seit Wochen bewusst alles aus, was nicht unmittelbar mit seinem Comeback zu tun hat. Er ist auf sich fokussiert, arbeitet zielstrebig an seiner Rückkehr und steigert die Belastung stetig. Neuer kann sein lädiertes Bein bereits teilbelasten und spult sein Reha-Programm sowohl an der Säbener Straße als auch in den eigenen vier Wänden ab – wo er sich einen vollausgestatteten Fitnessraum eingerichtet hat. Dementsprechend zufrieden ist er mit seinen Fortschritten, die ursprünglich anvisierte Ausfallzeit von einem halben Jahr kann – Stand jetzt – sicher eingehalten werden. Darum sind er und sein Umfeld zuversichtlich, dass er wieder zu alter Stärke gelangt.
Neuer zieht sich bewusst aus der Öffentlichkeit zurück, außer einem Foto an Krücken – aufgenommen Anfang Januar an der Säbener Straße – war von ihm seit dem Jahreswechsel nichts zu sehen und zu hören. Natürlich wird er ab sofort einige Heimspiele im Stadion verfolgen. Dabei geht es ihm aber um die Mannschaft, und nicht etwa darum, seinen neuen Konkurrenten auszuspähen. Er hat das Selbstvertrauen, ab Sommer wieder als unangefochtene Nummer eins den Torwart-Dienst an der Säbener Straße anzutreten. Worte wie „Karriereende“ ärgern ihn.
Trainer Julian Nagelsmann (35) kündigte jüngst an, dass er sich mit einem künftigen Duell Neuer vs. Sommer noch nicht auseinandersetzt: „Für mich spielt das keine Rolle. Mein Job ist, die Rückrunde so zu gestalten, dass ich im Sommer fest im Sattel bin.“ Der Club hätte in Neuer einen herausragenden Torwart, „der im Sommer hoffentlich zurückkommt. Dann erfreuen wir uns an seiner großen Qualität.“ Für Neuer ist es okay, dass bis dahin der Spieler Sommer im Fokus steht. Danach will er wieder die Maßstäbe setzen. Wie immer. M. BONKE, H.RAIF