Melbourne – Er diskutierte mit seinem Trainer Goran Ivanisevic, haderte mit dem Wind und beschwerte sich beim Schiedsrichter – doch selbst ein nicht immer zufriedener Novak Djokovic war für den Gegner viel zu stark. Der serbische Tennisstar hat mit dem Halbfinaleinzug bei den Australian Open durch einen ungefährdeten 6:1, 6:2, 6:4-Sieg gegen den Russen Andrej Rubljow einen weiteren Meilenstein seiner erfolgreichen Karriere gesetzt und dabei viele Emotionen auf dem Platz gelassen. „Der Vulkan lodert“, sagte Eurosport-Experte Boris Becker über seinen Ex-Schützling.
Auch nach dem Match zeigte Djokovic Gefühle – diesmal aber positive. Für seine Mutter, die auf der Tribüne saß und am Tag zuvor Geburtstag hatte, stimmte der 35-Jährige mit dem Publikum in der Rod Laver Arena ein „Happy Birthday“-Ständchen an und formte mit den Händen ein Herz. Außerdem grüßte er seinen langjährigen Rivalen Roger Federer und dankte seinem Physiotherapeuten, mit dem er wegen seiner Oberschenkelprobleme „durch die Hölle“ gegangen sei.
Djokovic feierte am Mittwoch seinen 26. Sieg in Folge beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne und zog mit Rekordhalter Andre Agassi aus den USA gleich. In seinem insgesamt 44. Grand-Slam-Halbfinale ist der Dominator am Freitag der klare Favorit gegen Tommy Paul. Der Weltranglisten-35. hatte sich zuvor gegen Landsmann Ben Shelton mit 7:6 (8:6), 6:3, 5:7, 6:4 durchgesetzt und als erster US-Amerikaner seit 14 Jahren in die Runde der besten Vier von Melbourne gekämpft. „Jeder träumt davon, wenn er mit dem Tennisspielen anfängt. Ich kann nicht glauben, dass ich es geschafft habe“, sagte Paul.
Die Chancen, dass Paul 20 Jahre nach Andy Roddick wieder einen Grand-Slam-Titel für die US-Männer holt, sind gering. Djokovic hat alle seine bisherigen neun Halbfinals in Melbourne gewonnen und zeigte auch gegen Rubljow seine Extraklasse. „Wenn es eng wurde, habe ich mein bestes Tennis gefunden, das stimmt mich am glücklichsten“, sagte Djokovic. „Er hat nicht viel zu verlieren. Ich muss mental bereit sein. Wenn ich so spiele wie heute, habe ich eine gute Chance.“
Anders als beim Achtelfinalsieg zwei Tage zuvor gegen den Australier Alex de Minaur war der 21-malige Grand-Slam-Turniergewinner aber nicht immer zufrieden. „Er wirkt ein bisschen nervöser und aufgekratzter, nicht ganz so ruhig und bei sich wie im letzten Match“, sagte Becker. Rubljow, der auch in seinem siebten Grand-Slam-Viertelfinale scheiterte, konnte daraus kein Kapital schlagen.
Im zweiten Halbfinale treffen Stefanos Tsitsipas (Griechenland/Nr. 3) und Karen Chatschanow (Nr. 18) aufeinander. dpa