Barcelona – Die spanische Talkshow La Resistencia ist für zwei Fragen bekannt, die Moderator David Broncano seinen Gästen zum Abschluss eines jeden Gesprächs stellt. Eine zielt auf die Anzahl der Sexualkontakte im zurückliegenden Monat ab, die zweite auf das aktuelle Kontoguthaben. Gerard Piqués antwortete im Jahr 2019 wie folgt: „Ich habe Sex und Geld im Überfluss.“ Ersteres scheinbar auch auswärts, was in den aktuellen Trennungskrieg mit Popstar Shakira mündete. Bei Zweiterem fügte der 35-jährige Ex-Kicker grinsend an: „Mein Vermögen ist größer als der Etat von Espanyol.“
Fakt ist: Piqué wusste bereits zu aktiven Zeiten sein Geld anzulegen, hat damit aber auch reichlich Schaden angerichtet. Frag nach beim Tennisweltverband ITF, der zum Wohle des Davis Cups auf Abstand zu Piqué gegangen ist. 2018 hatte sich Kosmos, eine Investorengruppe rund um den ehemaligen Verteidiger, für rund 2,8 Milliarden Euro die Rechte am ältesten Teamwettbewerb im Tennis gesichert. Da Piqué & Co. den traditionellen Modus auf den Kopf stellten, hagelte es Kritik. Und nun? Hat die ITF den Deal beendet und darf den Scherbenhaufen selbst zusammenkehren. Vorausgesetzt sie bekommt vor Gericht recht. Denn Kosmos möchte gegen den laut einer Unternehmensmitteilung „ungerechtfertigten Bruch“ des Vertrags vor dem internationalen Sportgerichtshof klagen.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Fußball-Weltmeister von 2010 ein Business auf den Weg bringt – und den Karren dann an die Wand fährt. So musste Piqué aufgrund der finanziellen Rückschläge seiner Firma 30 Millionen Euro Eigenkapital in Kosmos pumpen, unter anderem, weil zuvor Investitionen im Bereich Videospiele sowie Gastronomie nicht nach seinen Vorstellungen gelaufen waren. Er hatte in Barcelona zwei Betriebe aufgezogen – einen für Gourmet-Hamburger, einen auf Meeresfrüchte spezialisiert –, beide mussten schnell wieder zusperren.
Festzuhalten bleibt, dass der Ex-Kicker investitionstechnisch breit aufgestellt ist. Mittels seiner Holding legt Piqué seit ihrer Gründung im Jahr 2017 sein Geld in verschiedensten Geschäftsfeldern an. Da wären Sonnenbrillen, Immobilien sowie – natürlich – Medien mit Schwerpunkt Sport. So erwarb der Spanier, der übrigens ein Enkel des ehemaligen Barca-Vizepräsidenten Amador Bernabeu ist und selbst mal Barca führen will, nach dem Wechsel seines Ex-Vereinskollegen Lionel Messi zu PSG im Jahr 2021 die spanischen TV-Rechte an der Ligue 1. Der erhoffte Boom der französischen Eliteklasse blieb nach dem Transfer jedoch ebenfalls aus.
Und als ob besagte Investitionsflops nicht schon genug wären, sind auch die spanischen Finanzbehörden Piqué auf den Fersen. Neben des Kaufs des ehemaligen Viertligisten FC Andorra, den er mittels einer Investition von vier Millionen Euro mal eben in die zweite Liga katapultierte, nimmt der iberische Fiskus insbesondere den Supercup-Deal unter die Lupe, den Piqués Firma Hand in Hand mit dem spanischen Fußballverband RFEF unter Dach und Fach brachte. 240 Millionen fließen von Saudi Arabien zum Verband, Kosmos und teilnehmenden Clubs, damit der Supercup als Final-Four-Turnier bis einschließlich 2026 im Emirat ausgetragen wird. Auf den Kosmos-Konten sollen jedoch bis zu 3,4 Millionen verschwunden sein – die Behörden sind dran.
Und nun? Macht Piqué auch noch Streaming! Kosmos finanziert jetzt die sogenannte Kings League, bei der Influencer sowie Ex-Profis auf der Plattform Twitch gegeneinander kicken.