Zoff um die Krise

von Redaktion

Kahn brodelt, Nagelsmann widerspricht – sicher ist: Bayern muss jetzt liefern

VON MANUEL BONKE UND HANNA RAIF

München – Der erste Teil der Analyse nach dem 1:1-Remis gegen Eintracht Frankfurt erfolgte noch in der Kabine des FC Bayern. Zu fortgeschrittener Stunde marschierte Sportvorstand Hasan Salihamidzic (46) gefolgt von Trainer Julian Nagelsmann (35) und dessen Chef-Videoanalyst Benjamin Glück (36) durch die Katakomben der Allianz Arena. Insbesondere Salihamidzic wirkte sichtlich bedient. Nicht weiter verwunderlich, immerhin sind seine Münchner auch im dritten Pflichtspiel des Fußballjahres 2023 ohne Sieg.

Zuvor hatte Vorstandschef Oliver Kahn (53) bereits seine Sicht der Dinge dargelegt. In seinen Ausführungen zwar sachlich und (zu) ruhig, aber dem Titan war anzumerken: Innerlich brodelt es in ihm. „Zunächst mal, sind wir auch nach diesem Tag Tabellenführer. Das ist positiv“, sagte Kahn und legte eine kurze Kunstpause ein – um wie folgt fortzufahren: „Negativ ist, dass es das dritte Unentschieden ist. Das heißt, wir sind alles andere als gut in die Rückrunde gestartet.“ Er sehe derzeit ein anderes Team als noch im Herbst: „Die Mannschaft vor der Weltmeisterschaft und jetzt die Mannschaft nach der Weltmeisterschaft. Und warum wir unser PS derzeit nicht auf die Straße bekommen, werden wir jetzt analysieren.“

All zu viel Zeit bleibt dem Team angesichts der anstehenden K.o.-Spiele im Pokal am Mittwoch gegen Mainz (20.30 Uhr) und in der Champions League am 14. Februar bei Paris Saint Germain nicht mehr. Auch Präsident Herbert Hainer (68) war die Ernüchterung auch am Tag nach dem Remis noch deutlich anzumerken: „Wir sind mit den Ergebnissen nicht zufrieden, das ist ganz klar. Der Anspruch des FC Bayern ist deutlich höher. Wir wollen gewinnen. Man sieht, dass wir noch kein richtiger Rhythmus haben, wie es in der Vorrunde der Fall war.“ Er sei aber überzeugt, dass die Mannschaft die Kurve bekomme: „Wir haben gesehen, als wir im vergangenen September vier Spiele nicht gewinnen konnten: Julian Nagelsmann findet die richtigen Lösungen.“

Probleme könnte es bei der Lösungsfindung nur geben, wenn sich der Chef (Kahn) und sein Mitarbeiter (Nagelsmann) bei der Ursachenforschung uneins sind. „Ich sehe jetzt keine zwei verschiedenen Mannschaften. Wir haben auch in den guten Phasen Elemente wie jetzt im Spiel gehabt“, widersprach der Trainer seinem CEO und sagte: „Wenn man die Ergebnisse nicht liefert, ist es eine Ergebniskrise. Es gibt im Leben schlimmere Dinge als das. Aber es ist kein guter Ergebnislauf.“

Ob Nagelsmann vergessen hat, dass es in München wenig Schlimmeres gibt, als nicht als Sieger vom Platz zu gehen? Präsident Hainer zeigte sich angesichts dieser Aussage irritiert: „Als Fußballfan ist es schlimm genug, wenn man nicht gewinnt. Natürlich gibt es menschliche Tragödien, aber: Im Fußball wollen wir gewinnen!“ Und was ist der Unterschied zwischen der Ergebniskrise im Herbst 2022 und dem aktuell nicht guten Ergebnislauf? Damals wurde die Abschlussschwäche als Wurzel allen Übels ausgemacht. Aktuell kommt sie kaum in Schuss-Position. Das hat auch der Titan registriert: „Damals hatten wir unglaublich viele Torchancen und die Tore nicht gemacht. Jetzt ist das nicht der Fall. In der zweiten Halbzeit hatten wir relativ wenige Möglichkeiten, eigentlich fast gar keine.“ Es gab schon mal bessere Vorzeichen für entscheidende Wochen.

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