München – Vor gar nicht allzu langer Zeit wäre ein Duell zwischen den Frauen des FC Bayern und Turbine Potsdam noch ein echtes Spitzenspiel gewesen. Die gewonnenen Meisterschaften der Turbine und die Triumphe in der Champions League liegen zwar schon einige Jahre zurück, die Potsdamerinnen gehörten aber dennoch immer zu den besten Teams der Bundesliga. Seit letzten Sommer ist nun alles anders, Turbine Potsdam versinkt im Chaos. Zunächst wurde Trainer Sofian Chahed entlassen, dann trat Präsident Rolf Kutzmutz zurück, zahlreiche Spielerinnen verließen den Verein.
Chaheds Nachfolger Sebastian Middeke musste im November gehen, dessen Nachfolger Sven Weigang wurde nun offenbar völlig überraschend am Freitag entlassen.
Mit nur einem Punkt steht Turbine auf dem letzten Tabellenplatz, die Bayern-Frauen treten am Sonntag (13 Uhr) zum Start nach der langen Winterpause bei einer Mannschaft an, die mit dem Rücken zur Wand steht. „Potsdam hatte definitiv eine schwierige Saison bislang. Aber ich denke dennoch, dass sie besser sind, als ihre Resultate das in der ersten Saisonhälfte widergespiegelt haben“, sagte Trainer Alexander Straus. „Generell ist es für uns in jedem Spiel gleich: Wir begegnen jedem Team mit Respekt. Wenn wir das nicht machen und denken, wir können weniger als 100 Prozent leisten, dann bekommen wir auf dem Platz Probleme“, erklärte der Norweger weiter: „Am Ende liegt es immer an uns selbst. Wenn wir es hinbekommen, unsere Fähigkeiten abzurufen und unseren Job zu machen, dann werden wir auch erfolgreich sein.“
Bei den Bayern-Frauen ist die Lage derzeit entspannt. Kurz vor Weihnachten verabschiedete sich die Mannschaft in die Winterpause, in Trainingslagern in Mexiko und Katar konnte sich das Team in Ruhe auf den zweiten Teil der Saison vorbereiten. „Es waren gute Wochen für uns, da wir in etwas ruhigerer Umgebung an einigen Punkten arbeiten konnten und nicht an die enge Taktung des Spieltagkalenders gebunden waren“, sagte Straus: „Jetzt sind wir bereit, den Rhythmus wieder aufzunehmen und um Punkte zu kämpfen.“ Während dem Trainer zum Ende des vergangenen Jahres kaum noch gesunde Spielerinnen als Alternativen zur Verfügung standen, sind nun bis auf die langzeitverletzten Giulia Gwinn und Hanna Glas alle fit. Für die Abwehr ist mit der Norwegerin Tuva Hansen eine flexible Spielerin dazugekommen, die in Potsdam eine Kandidatin für die Startelf sein dürfte. Die Vorzeichen für einen gelungenen Start ins neue Jahr stehen gut.
Voraussichtliche Aufstellung: Grohs – Hansen, Viggosdottir, Tainara, Simon – Zadrazil, Stanway – Dallmann, Magull, Bühl – Schüller
CHRISTIAN STÜWE