Auftakt der Biathlon-WM

Eine gigantische Chance

von Redaktion

PATRICK REICHELT

Kurz vor dem Start ist die Sache zumindest Mark Kirchner fast schon wieder zu groß geworden. Letztlich sei es doch fast egal, ob in Antholz gelaufen werde, in Pokljuka oder eben in Oberhof, so mutmaßte der Bundestrainer der deutschen Biathleten, denn „zehn Kilometer bleiben trotzdem zehn Kilometer.“ Man möge sich doch selbst keinen Rucksack umschnallen.

Dieser Wunsch des knorrigen Thüringers, das ist schon jetzt klar, wird unerfüllt bleiben. Denn natürlich nehmen Denise Herrmann-Wick, Benedikt Doll & Co. reichlich Ballast mit auf die Runden am Rennsteig. Die achte deutsche Heim-WM ist schon lange das alles überstrahlende Thema dieses Winters. Die zwölf Medaillensätze, die bis zum 19. Februar zu vergeben sind, sind die alles überstrahlenden der Saison. Das kann man auch an dem gewaltigen Besucherstrom ermessen, der sich nun über die 1570-Seelen-Gemeinde Oberhof ergießen wird. 150 000 Tickets sind schon abgesetzt – gut möglich, dass man sich ähnlich wie vor elf Jahren in Ruhpolding wieder an die 200 000-Besucher-Marke heranpirschen wird. Was für ein Unterschied zu den Corona-Titelkämpfen der letzten Winter, als sich die Athleten vor allem selbst anfeuern mussten.

Man kann das als Druck ansehen. Doch für den Deutschen Skiverband und seine Athleten bieten die Tage von Oberhof vor allem eine gigantische Chance. Mit dem ein oder anderen Erfolgserlebnis in Thüringen könnte man der zuletzt ein wenig schläfrig gewordenen Disziplin vielleicht noch nicht unbedingt einen neuen Boom bescheren, wie DSV-Sportdirektor Felix Bitterling mutmaßte – neuen Schwung aber allemal. Von dem dann die nachdrängende Generation profitieren soll.

Dabei könnte das WM-Programm den Deutschen durchaus in die Karten spielen. Die Titelkämpfe beginnen mit der Mixed-Staffel. Das mag nicht die prestigeträchtigste Disziplin sein, aber es ist ein Wettbewerb, der zu den hoffnungsvolleren der Gastgeber zählt. Und es ist ein Wettbewerb, der die DSV-Asse in diese WM hineintragen könnte. Bei der dann ja auch gleich das erste Highlight-Wochenende mit nicht weniger als vier Entscheidungen in Sprints und Verfolgungs-Wettbewerben folgt.

Darauf setzen allerdings auch andere. Die alles beherrschenden Norweger etwa schicken ihre Starbesetzung ins Rennen.

patrick.reichelt@ovb.net

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