München/Oberhof – Favoriten heute in der Mixed-Staffel (ab 14.15 Uhr, ZDF und Eurosport) sind andere: die Norweger. Benedikt Doll (32) ist trotzdem heiß.
Herr Doll, eine Heim-WM genießt man am besten mit einer Medaille um den Hals, oder?
Ähm ja, so eine Medaille ist immer schön. Aber ob es in den Einzelrennen klappt, steht wirklich in den Sternen. Ich muss ein perfektes Rennen machen, um eine Chance auf die Medaille zu haben. Läuferisch bin ich gut dabei, aber es gibt noch welche, die sind stärker. Wenn die fehlerfrei schießen, hat man einen perfekten Tag und ist Vierter. Das kann vorkommen. Man hat es eben selbst nicht immer in der Hand. Darum muss man auch nur auf sich selbst schauen.
Und in der Staffel?
Da müssen wir kein Geheimnis aus unseren Ambitionen machen. Es wird das Highlight, ich glaube das Wochenende ist auch schon lange ausverkauft. Die Chancen sind da bestimmt besser, als wenn wir allein laufen.
Topfavoriten in allen Rennen dürften Johannes Thingnes Bö und die restlichen Norweger sein…
Wie gesagt, ich schaue auf mich. Alles andere bringt nichts. Klar sind Johannes Thingnes Bö und Sturla Holm Laegreid läuferisch etwas voraus. Und sie kriegen eben meistens beides hin, Laufen und Schießen. Das ist beeindruckend, da es ja auch eine Trainingssache und mentale Angelegenheit ist. Ein bisschen macht es den Sport vielleicht langweiliger, wenn einer immer gewinnt. Aber solche Jahre gibt es eben manchmal… da muss man dann durch (lacht).
Sie haben schon ein paar WMs erlebt – geben sie den Unerfahreneren da eigentlich Tipps?
Bis jetzt haben wir da noch nicht viel gesprochen, es ging immer mehr um die letzten Rennen. Ich glaube, das Einzige, was ich den Jungen in dieser Hinsicht mitgeben kann, ist: Wenn man zu einer WM was anders machen will, nur weil es eine WM ist, geht es bestimmt in die Hose. Aber das wissen sie schon, die sind erfahren genug und keine 21-Jährigen mehr. Die können das händeln. Jeder der mal IBU-Cup gelaufen ist, kennt es ja auch, zu einer EM zu fahren. Da ist man dann genauso aufgeregt wie vor einer WM.
Spüren Sie trotzdem einen Unterschied in dieser Saison, da Sie die viel beschriebene Leader-Rolle nach den Rücktritten von Erik Lesser und Arnd Peiffer eingenommen haben?
Das Einzige ist, dass ich ständig darauf angesprochen werde (lacht). Nein, es gibt eigentlich gar nicht so viele Momente, in denen man leaden muss oder eine Entscheidung treffen muss. Nur selten, dann mache ich das halt, aber mehr. weil es mir aufgetragen wird. Wann Kaffee und Kuchen ansteht zum Beispiel, das entscheide ich.
Wie steht es um die andere Änderung für Sie zu diesem Winter, Ihrem ersten als Vater?
Mein Dopingkontrolleur, den ich bekommen habe, hat mir gesagt: Die letzten, die ein Kind bekommen haben und für die ich zugeteilt war, hatten dann immer eine schlechte Saison. Vielen Dank für die motivierenden Worte, habe ich mir gedacht. Man muss sich eben umorganisieren, es fällt manches weg. Auf Social Media und bei anderen Projekten habe ich früher mehr nebenher gemacht, das ist eben jetzt Familienzeit. Familie und Sport bekomme ich unter einen Hut, noch mehr würde stressig werden.
Vor dem Winter meinten Sie, Sie fällen ihre Entscheidung über ein Karriereende nach der Saison. Auch wenn sie das noch nicht getan haben – ist das im Hinterkopf, dass es ihre letzte WM, ihr letzter Auftritt vor deutschen Fans sein könnte?
Nein, gar nicht. Ich denke überhaupt nicht darüber nach. Auch nicht, ob es schön wäre, wenn mein Kind noch mal dabei wäre. Aktuell kann ich mir aber vorstellen, noch ein Jahr drangzuhängen. Das muss ich schauen. Stress mache ich mir da nicht. Gar keinen Stress.
Interview: Thomas Jensen