Pinturault gewinnt das Heimspiel

von Redaktion

Franzose holt Kombi-Gold – DSV-Alpinchef kritisiert die Disziplin

Courchevel – Er war der würdige Sieger eines zunehmend fragwürdigen Wettbewerbs: Alexis Pinturault aus Frankreich, einer der letzten echten Allrounder auf Skiern, hat bei seiner Heim-WM in Courchevel die erhoffte Goldmedaille in der Kombination gewonnen. Es war die womöglich letzte Austragung des umstrittenen alpinen Zweikampfs, der zu einem Auslaufmodell verkommen ist. Simon Jocher aus Garmisch belegte nach langer Verletzungspause Rang 13.

Pinturault, Weltmeister 2019 und Führender nach dem Super-G am Vormittag, profitierte bei seinem Sieg vor eigenem Publikum von einem kapitalen Patzer seines Hauptkonkurrenten Marco Schwarz im Slalom: Der Titelverteidiger aus Österreich hatte seine 0,06 Sekunden Rückstand längst aufgeholt, als er vor dem Ziel fast zum Stehen kam. Zu Silber reichte es noch (+0,10 Sekunden).

„Heute ist ein besonders schöner Tag, speziell nach dem Anfang der Saison, in dem ich nicht auf das Podest fahren konnte, ist das sensationell für mich“, sagte Pinturault. Hinter ihm und Schwarz gewann Raphael Haaser aus Österreich Bronze (+0,44) – wie dessen Schwester Ricarda am Tag zuvor in der Kombi der Frauen.

Einen besonderen Wert hatte der Wettbewerb für Simon Jocher. Der Sportsoldat aus Garmisch, vor zwei Jahren starker WM-Fünfter, war Ende November in Beaver Creek schwer gestürzt. Die Folge: Gehirnerschütterung, Nasenbeinbruch, Prellungen der Rippen und der Lunge, Innenband angerissen, Kreuzbänder überdehnt. Noch immer hat Jocher Probleme, in Courchevel startete er gewissermaßen zu Reha-Zwecken. „Ich brauche Praxis und Wettkampfbedingungen“, sagte er. Nach dem Slalom war er mit seiner Endplatzierung zufrieden, „weil es der erste Tag war, an dem ich mich wieder an der Weltspitze gesehen habe.“

Jocher hat Zukunft – die Kombination, Mutter aller alpinen Wettbewerbe, gilt dagegen als Auslaufmodell. Im Weltcup wird sie nicht mehr gefahren, bei Großereignissen ist sie auf einen Super-G- und einen Slalom-Lauf gestutzt worden. „Das ist ein bisschen aus der Zeit gefallen“, sagt der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier über die Kombination, „diese Disziplin hat keine Helden mehr, wie es früher war.“ Außerdem sieht er „keine Einigkeit unter den Verbänden. Immer, wenn man glaubte, es gäbe eine Lösung, ist eine Nation ausgebrochen.“  sid

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