Besondere Ski-Momente

Auf Kanadier und die WM ist Verlass

von Redaktion

VON THOMAS JENSEN

Viele Monate reisen sie durch den Winter – weit weg von daheim. Sie ordnen alles ihrer Leidenschaft unter, um im Weltcup oft nur mittelmäßig gut zu fahren. Gleichzeitig kommen sie damit klar, dass sie durch den eigenen Verband deutlich weniger gefördert werden als die europäische Konkurrenz, und immer mit den erfolgreicheren Landsmännern verglichen werden, die früher gefahren sind. Und plötzlich rasen sie bei einer WM allen davon und erobern Gold. Das sind die kanadischen Skifahrer mit ihrer Vorliebe für besondere Momente.

Nach seinem Triumph im Super-G gehört James Crawford auch dazu. Die letzten 16 Rennen (seit Januar 2021) in dieser Disziplin haben allesamt die Speed-Granden gewonnen: Vincent Kriechmayr, Marco Odermatt und Aleksander Aaamodt Kilde. Bis der 25-Jährige vom Whistler Mountain Ski Club kam. Er stand im Super-G überhaupt erst einmal auf dem Podest, gewonnen hat er im Weltcup noch nie. Es ist das zweite Gold für Kanada bei Großereignissen in den letzten zehn Jahren, bei sieben Weltcupsiegen im selben Zeitraum. Gemeiner Vergleich für die deutschen Fahrer: 33 Siege seit Februar 2012. Gold? Auch zweimal (durch Maria Höfl-Riesch). Die Nordamerikaner haben ein Talent dafür, besondere Chancen zu ergreifen.

Allerdings scheint sich diese Chance auf spezielle Momente bei einer Ski WM überdurchschnittlich oft zu bieten, im positiven wie negativen. Klar, Großereignisse haben ihre eigenen Gesetze. Die Vierschanzentournee auch, der Pokal sowieso und eigentlich alle Sport-Termine außerhalb des Alltags. Aber bei Ski-WMs hofft man nicht nur darauf, sondern kann sich so darauf verlassen, wie darauf, dass im Winter Schnee fällt (nicht mehr in den Alpen, aber in den Rocky Mountains schon).

Was ist nicht schon alles allein in den ersten Tagen von Courchevel und Meribel passiert: der Stein unter Kira Weidles Ski. Die Medaillen für Alexis Pinturault in seinem Heimatort, nach bisher nur einem Stockerl in dieser Saison. Oder die österreichischen Frauen: zu Hause schlimm unter Druck nach einer bisher schwachen Saison – und jetzt schon doppelt mit Edelmetall dekoriert.

Die Deutschen haben die ersten Chancen bei dieser WM noch nicht genutzt – aber ein paar kommen ja noch. Dass sie es können, haben sie mit gleichem Personal 2021 in Cortina gezeigt, selbst wenn es da kein Gold gab.

thomas.jensen@ovb.net

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