Bochum als Stresstest

von Redaktion

Für die Bayern gilt: Verlieren verboten – und Selbstvertrauen maximieren

VON HANNA RAIF UND PHILIPP KESSLER

München – Selbst die längste Vorbereitung der Welt hat irgendwann ein Ende. 99 Tage wird es am Dienstag her sein, dass der FC Bayern im Rahmen der Auslosung der Achtelfinals die Gewissheit hatte, an diesem 14. Februar 2023 auf Paris Saint-Germain zu treffen. Damals ließ man ein paar respektvolle Worte verlauten und hakte die ganze Sache unter dem Stichwort „Zukunftsmusik“ ab. Nun aber wird es ernst. Der interne Reiseplan ist verschickt, der Dresscode (feiner Zwirn!) steht – und das Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Bochum hat deutlich mehr Bedeutung als drei Punkte im Kampf um die Bundesliga-Tabellenspitze. Es ist die offizielle Generalprobe, der Stresstest, in dem gilt: verlieren verboten!

Mit einer längeren Ansprache hat Julian Nagelsmann die unmittelbare Vorbereitung auf die erste Woche der Wahrheit des Jahres 2023 am Mittwoch auf dem Rasen eingeleitet. Es ist nur logisch, dass der Coach vor versammelter Mannschaft den Fokus auf Bochum legte, Paris aber dabei mindestens im Hinterkopf hatte. Schon seit Wochen läuft parallel zur Vorbereitung auf das jeweils nächste Spiel die Analyse von PSG. Video-Analyst Benjamin Glück und Nagelsmann hatten und haben viel zu tun, um den Masterplan gegen das Starensemble zu perfektionieren. Dabei geht es freilich viel um Taktik, aber auch um Formkurven, Belastungssteuerung und mentale Verfassung seiner Spieler. In einer so verrückten Saison wie dieser – Stichworte: Winter-WM, Ergebniskrisen – ist die Frage nach dem besten Team zur richtigen Zeit besonders schwer zu beantworten. Zudem weiß Nagelsmann, welch hohen Stellenwert das Duell mit PSG intern hat.

Da geht es ums Prestige, vor allem aber geht es darum, ein frühes Aus wie im Vorjahr zu vermeiden. Klar, Villarreal war ein vergleichbar kleines Kaliber, der K.o. schmerzte daher doppelt. Den Fehler, ein Team zu unterschätzen und bereits in die nächste Runde zu schielen, darf man sich aber nicht noch mal erlauben. „Das werden wir dieses Mal sicher nicht machen, sondern die Konzentration hochhalten”, kündigte Präsident Herbert Hainer im Rahmen der Auslosung an. Wohlwissend, dass es sonst ungemütlich wird.

Nagelsmann macht sich da auch selbst Druck. Denn er will heuer mehr liefern als „nur“ einen Titel, wie man bei Bayern gerne sagt. Dass es in der Liga aktuell eng zugeht – Union und der BVB lauern einen Punkt bzw. drei Zähler hinter den Bayern –, kommt dem 35-Jährigen nur gelegen. Genau wie die Tatsache, dass es der Rekordmeister gegen Bochum mit den drei Angreifern Takuma Asano (Top-Speed: 35,42 km/h), Christopher Antwi-Adjei (34,97 km/h) und Gerrit Holtmann (34,72 km/h) zu tun haben wird. Das Trio ist vielleicht nicht ganz so schnell wie der PSG-Sturm – aber eine gute Einstimmung.

Dass die Generalprobe ohne den Gelb-Rot gesperrten Joshua Kimmich gelingen muss, passt dem Coach hingegen nicht. Während sein verlängerter Arm sich individuell vorbereitet, geht es für andere Schlüsselspieler gegen Bochum auch darum, das Selbstvertrauen bis zum Abflug der Maschine LH2570 am Montag um 15.30 Uhr zu maximieren. Dayot Upamecano braucht nach seiner Pause Sicherheit, Alphonso Davies endlich eine solide Partie, die aufstrebenden Jamal Musiala und Joao Cancelo Bestätigung – und Eric Maxim Choupo-Moting: Tore, Tore, Tore. Sie alle wissen nur zu gut, dass all das, was in den 99 Tagen vor Anpfiff passiert ist, wenig zählt, sollte das Ergebnis im Prinzenpark nicht stimmen.

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