Oberhof – Denise Herrmann-Wick schob die Trauer über den verpassten WM-Traumstart in Windeseile beiseite. Die frenetische Unterstützung der Tausenden Biathlon-Fans hellte bei klirrender Kälte ihre Stimmung auf, ihre Machtdemonstration auf der Strecke weckte riesige Hoffnungen für die Einzel-Wettbewerbe. „Es passt alles“, schwärmte die Olympiasiegerin nach ihrer famosen Aufholjagd breit grinsend: „Es ist schön zu sehen, dass der Weg so weitergeht.“
In der Tat rettete die 34-Jährige ihre überragende Laufform aus dem Januar mit in die Heim-WM in Oberhof – und scheint sie gar noch verbessert zu haben. Über 20 Sekunden nahm Herrmann-Wick der Gesamtweltcup-Zweiten Elvira Öberg auf den sechs Kilometern ab, die norwegische Rekordweltmeisterin Marte Olsbu Röiseland büßte in der Loipe gar eine halbe Minute auf die Deutsche ein.
Da es auch am Schießstand trotz höchstem Risiko mit nur einem Nachlader prächtig lief, brachte Herrmann-Wick das deutsche Quartett auf dem zweiten Streckenabschnitt von Rang elf auf drei nach vorne. Mit dem Sprint über 7,5 km an diesem Freitag (14.30 Uhr/ZDF, Eurosport) warte nun „ein schönes Rennen“, denn schließlich sei da die Laufrunde noch „etwas länger“, so die Oberwiesenthalerin.
Herrmann-Wick habe einen „grandiosen“ ersten Wettkampf abgeliefert, lobte auch DSV-Sportdirektor Felix Bitterling. Doch sie selbst warnte vor zu viel Euphorie. „Es ist ein neuer Tag“, betonte die Verfolgungs-Weltmeisterin von 2019: „ Manchmal brauchen die anderen schon auch ein Rennen um reinzukommen, da muss man auf der Hut sein.“
Das eine Rennen zum Reinkommen brauchten im DSV-Team auch Vanessa Voigt und Benedikt Doll. Runterziehen lässt sich Herrmann-Wick von Staffel-Platz sechs aber nicht. „Wir müssen dranbleiben“, forderte sie: „Die Stimmung hier ist grandios. Man ist schon beim Einlaufen emotional ergriffen.“
Auch Bitterling sieht in dem deutschen Fehlstart keinen Beinbruch. „Wir haben nach wie vor gut trainiert, wir sind nach wie vor gut drauf, die Stimmung ist nach wie vor gut“, sagte der Sportdirektor: „Wir hatten natürlich alle auf mehr gehofft. Aber das war es definitiv noch nicht. Wir greifen die nächsten Tage an.“
Man habe in der Mixed-Staffel gesehen, „dass man einen Sahnetag erwischen muss, um ganz vorne mitmischen zu können“, sagte Voigt. Aber es sei auch deutlich geworden, „dass wir die letzten Monate nicht falsch trainiert haben. Wir sind auf einem guten Weg. Wenn das gewisse Quäntchen Glück mitspielt, können wir auch ganz vorne mitspielen.“
Vor allem eben Herrmann-Wick. „Es ist schön zu sehen, dass die Form so da ist“, sagt die Wahl-Ruhpoldingerin. Es gelte nun, „gesund zu bleiben, von Rennen zu Rennen zu denken, sich zwischendurch gut zu erholen und trotzdem nicht zu weit runterzufahren.“ Gelingt ihr dies, kämpftsie wohl in jedem Rennen ums Podest. sid