Fest in serbischer Hand

von Redaktion

71:82 – Bayerns Basketballer erleben gegen Partizan Belgrad einen ernüchternden Abend

VON PATRICK REICHELT

München – Vor dem Start war im Audi Dome erst einmal die Polizei gefragt. Die Ordnungshüter waren mit Sondereinheiten angerückt. Man wollte die Dinge irgendwie unter Kontrolle halten, in einem von gut 3000 Belgrader Fans gefluteten Audi Dome. Es glückte nur bedingt, erst einmal regnete es Wurfgeschosse in Richtung Spielfeld. Erst als Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic beschwichtigend tätig wurde, beruhigten sich die Dinge ein wenig.

Der sportliche Verlauf wird ein Übriges getan haben – am Ende setzte sich Euroleague-Neuling Partizan Belgrad mit 71:82 (39:33) bei den Bayern durch. Für die Münchner – das BBL-Spitzenspiel gegen Bonn eingeschlossen – die vierte Niederlage in Folge. Schwierige Zeiten für das Team von Trainer Andrea Trinchieri.

Dabei hatte es zu Beginn doch so viel Gutes gegeben. Ex-Bayernstar Bastian Schweinsteiger gab sich die Ehre – sich, und Augustine Rubit, dem er die Trophäe des Januar-MVP der Euroleague in die Hand drückte. Und noch wichtiger: Andreas Obst war wieder da. Der Nationalspieler durfte erstmals nach wochenlanger Verletzungspause wieder ins Geschehen hineinschnuppern.

Doch es zeigte sich schnell: er hatte sich eine knifflige Aufgabe für sein Comeback ausgesucht. Seine Bayern starteten übernervös, die schwarz-weiße Wand auf den Rängen machte merklich Eindruck. Im Laufe der ersten Halbzeit legte man das Fremdeln in der eigenen Halle zwar mehr und mehr ab. Auch Ognjen Jaramaz zeigte ein paar feine Aktionen – dem einstigen Partizan-Zögling blieb als einzigem Münchner das gellende Pfeifkonzert erspart.

Doch es fehlte die ordnende Hand, es fehlte ein Anführer, wie ihn Partizans beängstigend geröteter Starcoach Zeljko Obradovic etwa mit Kevin Punter hatte.

Wenn Punter oder US-Landsmann James Nunally kurz aufs Tempo drückten, riss schnell eine schmerzhafte Lücke auf. So wie kurz vor der Pause, als Partizan den, mühsam wieder rangerobbten Gastgebern schnell noch einmal sechs Punkte Rückstand in die Kabine mitgab.

Und als sie wieder herauskamen, wurde alles noch viel schlimmer. Weil Partizan auch noch in der Defensive merklich die Zügel anzog, entglitt dem FC Bayern mehr und mehr das Spiel. Wobei vor allem Center Mathias Lessort merklich Spaß an der Sache hatte. Der Franzose hatte selbst 2019/20 eine wenig glückliche Saison im Audi Dome erlebt. Nun revanchierte er sich eindrucksvoll – seine 16 Punkte garnierte er mit der ein oder anderen zupackenden Defensivaktion.

Den Bayern? Blieb im Schlussviertel nur ein bisschen Schadensbegrenzung. Aus zwischenzeitlichen zwanzig Punkten machten sie im Endspurt immerhin noch die Hälfte.

Und nun bleibt die Hoffnung, dass man sich im nationalen Geschäft noch einmal Schwung holen kann. Erst in Chemnitz, dann gegen Hamburg und schließlich in Oldenburg. Dort steht dann mit dem Pokal-Finalwochenende die erste Titelentscheidung der Saison an.

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