München – 190 Weltcuprennen musste Lena Dürr auf diesen Moment warten: Ihren ersten Slalomsieg Ende Januar im tschechischen Spindlermühle. Vor ihrem ersten Start bei der WM – voraussichtlich im Team-Event am Dienstag – hat die 31-jährige Münchnerin vom SV Germering mit unserer Zeitung gesprochen – über ihren späten Triumph. Und über Ihre Lehren von Olympia 2022, wo sie im Slalom unglückliche Vierte wurde.
Frau Dürr, mit Ihrem ersten Spezial-Slalom-Sieg im Rücken kommen Sie zur WM. Nicht das schlechteste Gefühl, oder?
(Lacht) Natürlich nicht. Wir haben sehr lange darauf gewartet. Aber der Zeitpunkt ist mir komplett egal. Hauptsache, es hat mal geklappt. Trotzdem geht es jetzt wieder bei null los.
Wie lange hielt denn die Euphorie danach an?
Die Emotionen, die man direkt im Ziel hat, sind schon die stärksten. Die bleiben auch am meisten in Erinnerung. Ich habe mir das Rennen aber auch in den Tagen danach noch mal angeschaut. Aus der Perspektive ist es noch mal etwas anderes, mir tut es gut, so zu sehen, wie da einfach alles zusammengepasst hat. Auch jetzt noch ist die Freude natürlich riesig.
Mit Erfolg steigt auch die Erwartungshaltung. Beschäftigt Sie das noch?
Nein. Auch vor dem Sieg schon nicht mehr. Wir wussten, dass ich ganz vorne mitfahren kann. Es hatten eben nur noch nicht beide Läufe komplett zusammengepasst. Der Druck war dennoch nicht da. Ich wusste, dass wenn ich fleißig bin und weiterarbeite, der Tag irgendwann kommen wird. Deswegen ändert sich auch danach jetzt nichts für mich, egal was von außen herangetragen wird. Ich habe weiterhin unfassbar viel Spaß am Skifahren, aktuell geht es so leicht von der Hand. Das Wichtigste ist, dass es weiter so gut zusammenpasst.
Auch 2022 sind Sie in guter Form zu einem Großereignis gefahren und hatten dort dann kein Glück. Fühlen Sie sich nun ähnlich aufgelegt oder hat sich seitdem viel verändert?
Das ist schwierig zu sagen. Womöglich bin ich noch ein bisschen lockerer. Was aber nicht bedeutet, dass ich zu entspannt bin (lacht). Aber jedes Podium gibt einem mehr Lockerheit und vor allem so ein Sieg. Überhaupt, dass ich die Konstanz aus letzter Saison mitnehmen konnte, gibt mir viel. Vor dem Start der Saison war ich da natürlich nicht so sicher, aber dann habe ich schnell gemerkt, dass ich mir darüber keine Sorgen machen muss.
Also mehr Selbstvertrauen?
Jeder Podestplatz gibt Selbstvertrauen und bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Nur darauf, sich selbst und seinen Weg, muss man schauen. Denn das was die anderen abliefern, kann man ohnehin nicht beeinflussen. Nur dass man selbst beim Fahren sein Limit findet.
Versuchen Sie diese Suche nach dem Limit bei der WM noch mehr zu erzwingen?
Ach, ich glaube für mich gilt dasselbe wie immer. Irgendetwas spezielles zu machen, etwas erzwingen zu wollen, ist selten gut. Daher wird meine Herangehensweise dieselbe wie im Weltcup sein, wo ich ja sowieso auch immer alles reinlege.
Können Sie uns einmal mitnehmen, in die letzte Minute vor dem Start?
Die läuft immer gleich ab. Wobei das so viel Routine ist, dass ich gar nicht merke, was ich mache. In den Skiern bin ich schon drin, dann mache ich meine Schnallen zu und richte mir die Brille noch mal. Das ist so ein Tick von mir. Danach klatsche ich mit meinem Service Mann und Trainer ab und höre mir die letzten Infos von ihnen an. Da geht es dann aber nie um den Lauf, sondern um die Herangehensweise. Das brauche ich auch wirklich, um vom ersten Tor weg parat zu sein. Was vor dem Start noch geredet wird, höre ich sehr bewusst.
Wie steht es um das „Rausgeschrien-werden“, am Start. Hat das noch einen Effekt, wenn man es schon gewohnt ist?
Man spürt es schon. Und vor allem, wenn es auf einmal fehlen würde, würde man es umso mehr merken. Wie im Training, da denkt man sich schon manchmal, dass es ganz schön still ist.
Ist Aufregung bei Ihnen trotz Ihrer Erfahrung eigentlich noch ein Thema?
Ich war eigentlich noch nie die Läuferin, die groß nervös ist. Wenn etwas anders ist an Renntagen, dann dass ich versuche, noch konzentrierter und noch mehr bei mir zu sein, es ist ja doch viel los.
Vor allem aber nach den Rennen, wenn man einen Sieg oder eine Medaille geholt hat?
Klar ist die Bedeutung einer Medaille immer riesig. Mit der Mannschaft habe ich ja auch schon welche gewonnen. Auf dem Teamwettbewerb und auch dem Parallel-Riesenslalom liegt auch erst mal der Fokus, unser Team freut sich da schon immer sehr drauf, weswegen wir da zuletzt im Team vielleicht auch die Erfolge hatten. Hundertstelglück braucht man da natürlich auch. Zu meinem Slalom: Ich versuche einfach, in beiden Läufen zu zeigen, was ich kann, und dann schauen wir was rauskommt.
Interview: Thomas Jensen