Dortmund – Die aberwitzige Einkaufstour der „Geldschleuder“ FC Chelsea gibt auch Borussia Dortmund Rätsel auf. Die hausinterne Abteilung Gegner-Analyse, so erzählte es Trainer Edin Terzic, kann nach dem Irrsinn des Transfer-Winters höchstens erahnen, was die BVB-Mannschaft im Achtelfinalhinspiel der Champions League an diesem Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) erwartet: „Wir wissen es nicht genau.“
Wie auch? Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro hat Chelsea in den vergangenen sieben Monaten in Spieler investiert, rund 300 Millionen allein durch das Winterfenster geblasen: Hier 121 für den argentinischen Weltmeister Enzo Fernandez, was selbst im Land der Großeinkäufer ein Rekord ist, da bis zu 100 für Michailo Mudryk, einen jungen Mann von Schachtar Donezk, der zuvor höchstens Experten ein Begriff war.
Der BVB muss den englischen Krösus dennoch mit Mut und Selbstvertrauen ins Stolpern bringen – sonst wird es schwierig mit dem Einzug ins Viertelfinale. „Wir müssen höllisch aufpassen“, warnt Sportdirektor Sebastian Kehl trotz der Serie von sechs Siegen in sechs Pflichtspielen seit Jahresbeginn.
Auch Kehl schaut verwundert bis irritiert nach London: „Es könnten womöglich keine größeren Gegensätze aufkommen.“ Damit macht sich der BVB kleiner, als er ist, aber: Der Verein hat tatsächlich lange gezögert, bis er dem – nun verletzten – Nationalstürmer Youssoufa Moukoko einige Millionen für eine Vertragsverlängerung bot. Es wird wohl Sebastien Haller stürmen, der nach seiner Krebserkrankung schnell wieder im Akkord gefragt ist.
Ihre Flatterhaftigkeit scheinen die Borussen abgelegt zu haben: Nicht viele Spiele werden überzeugend gewonnen, aber sie werden gewonnen. „Wir haben gezeigt, dass wir uns weiterentwickelt haben. Das ist noch nicht genug, um die gesamte Saison davon zu zehren“, sagt Kehl, „aber es ist (…) extrem wichtig für uns und zeigt, dass mit uns zu rechnen ist.“
Wahrscheinlich ist es auch ein guter Moment, gegen den FC Chelsea anzutreten. Dessen viele teure Puzzleteile haben sich noch keineswegs zu einem funktionierenden Kollektiv zusammengefügt, wie zuletzt die ernüchternden Liga-Unentschieden gegen den FC Fulham und bei West Ham United zeigten. Die Tabelle der Premier League führt den Klub des deutschen Nationalspielers Kai Havertz auf dem zehnten Platz – Investition und Ertrag stehen (noch) in einem fast lachhaften Missverhältnis.
Für Trainer Graham Potter, Nachfolger von Thomas Tuchel, hat der Scheinriese Chelsea übrigens auch Ablöse gezahlt: 24 Millionen Euro an Brighton & Hove Albion. Dafür gab es unter anderem 20 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Arsenal. In England wird schon spekuliert, ob Klub-Besitzer Todd Boehly schon der Finger zuckt.
Oder doch wieder die Geldbörse? Die Londoner strecken ihre Ausgaben mit extrem langen Vertragslaufzeiten (bei Mudryk bis 2031) auf viele Jahre, um sich durch die Financial-Fairplay-Regeln zu schummeln. dpa