Abwehrpuzzle um de Ligt

von Redaktion

Bayern-Coach Nagelsmann muss gegen Union und Paris umdenken – er hat nur eine Konstante

VON HANNA RAIF

München – Schon bei einem der ersten Gespräche fiel der Satz, der Matthijs de Ligt aufhorchen ließ. Als Hasan Salihamidzic gegenüber dem jungen Mann, damals in Diensten von Juventus Turin, das Wort ergriff, sagte er: „Wir wollen dich nicht als Verteidiger. Wir wollen, dass du der Chef der Verteidigung wirst.“ Die Perspektive stimmte, de Ligt nahm die Herausforderung an. Mit dem Ergebnis, dass der Niederländer jetzt, wo für den FC Bayern die ersten Wochen der Wahrheit anstehen, in der Verantwortung steht. Oder vielmehr: die einzige Konstante in der Abwehr von Julian Nagelsmann ist.

Der Trainer des FC Bayern steht mit Blick auf das Spitzenspiel gegen Union Berlin an diesem Sonntag (17.30 Uhr) und den Showdown eineinhalb Wochen später gegen Paris Saint.-Germain vor einem echten Abwehrpuzzle. Denn an die Luxussituation, der sich der 35-Jährige zu Beginn der Saison mit den drei Top-Innenverteidigern de Ligt, Dayot Upamecano und Lucas Hernandez gegenüber- sah, erinnert aus diversen Gründen nicht mehr viel. Der am Kreuzband operierte Hernandez fehlt bekanntlich mindestens bis zum Sommer, dazu sind Dayot Upamecano gegen Union und Benjamin Pavard gegen PSG gesperrt. De Ligt ist derjenige, um den die beste Formation gestrickt werden muss. Und zwar gegen kompakte Berliner wie gegen offensiv gefährliche Pariser. Eine Patentlösung gibt es da nicht.

Die Sperren tun besonders weh, weil Nagelsmann – zuletzt Verfechter einer Dreierkette – auch sein System überdenken muss. Zwar versicherte der Coach mit Blick auf Josip Stanisic und Daley Blind, „ein paar andere Spieler“ zu haben, „die Dreierkette spielen können“. Dennoch deutet einiges darauf hin, dass er gegen Union zur defensiven Viererformation zurückkehrt. So könnte Pavard den Part neben de Ligt übernehmen, während Alphonso Davies auf links und Joao Cancelo auf rechts starten. Gerade der neue Mann hilft mit seiner Flexibilität – zumal Cancelo gegenüber „O Jogo“ versicherte: „Ich möchte einfach spielen, dann bin ich glücklich.“ Weil das zuletzt bei ManCity nicht mehr der Fall war, ist der Portugiese in München gelandet – und weiß: „Bayern ist ein Kandidat, alles zu gewinnen.“

Auf dem Weg dorthin aber warten noch einige hohe Hürden, unter anderem das Rückspiel gegen PSG. Und weil die Partie davor, das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart, auch als Generalprobe gilt, ist die Aufstellung der Abwehr noch kniffliger. Nagelsmann fehlt ohne Pavard für seine Dreierkette ein dritter Innenverteidiger mit dem nötigen Format. Blind nutzte seine Chance beim 2:3 gegen Gladbach nicht, Abwehr-„Notnagel“ Joshua Kimmich wird als Regisseur eine Reihe weiter vorne gebraucht. Auch deshalb dürfte die Viererkette das Mittel der Wahl sein. Aus der Not geboren.

Was ziemlich sicher ist: dass sowohl Bouna Sarr (den die Bayern am liebsten im Januar verkauft hätten) als auch Noussair Mazraoui (der seit gestern im Teamtraining ist) keine große Rolle spielen werden. Neben de Ligt werden andere Haupt-Akteure gesucht. Den ultimativen Tipp für alle hat Oliver Kahn parat. Dem „kicker“ nannte der Vorstandsboss das Erfolgsgeheimnis des Rekordmeisters: „Es geht immer um totale Bereitschaft, Gier, Wille und zugleich eine gewisse Leichtigkeit.“ Immerhin de Ligt hat derzeit: alles.

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