Nagelsmann kommt zu gut weg

Smarter bestrafen

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Ottmar Hitzfeld war ein Bayern-Trainer, mit dem man noch ein paar Worte „off the record“ und ohne die Überwachung durch einen Vereinsangestellten sprechen konnte. Einmal – zusammen am Gepäckband eines Flughafens wartend – wollten wir von ihm wissen, ob eine Geldstrafe, wie er sie bei disziplinarischen Verfehlungen zu verhängen pflegte, einen Spieler wirklich treffe. Der Standardtarif damals, vor rund zwanzig Jahren, betrug 10 000 Euro, wir zweifelten, ob das einen Profi beeindrucke. Hitzfeld hielt offen dagegen: Die Frau oder Freundin werde das umrechnen in greifbare Güter – sein Beispiel war die Stereoanlage – und dem Mann dann entsprechende Vorhaltungen machen. Gut, das mit dem HiFi im Wohnzimmer hat sich in Zeiten von Streaming und Kopfhörern erledigt, und 10 000 Tacken als Verlust verlieren an Schrecken, wenn man sie in Relation zum Einkommen setzt, das heute ganz andere Dimensionen hat als im Fußball der Hitzfeld-Ära. Julian Nagelsmann muss für sein „weichgespültes Pack“ 50 000 Euro entrichten – was zunächst einmal für ihn ärgerlich wuchtig anmutet. Aufs vermutete Jahresgehalt umgerechnet sind es aber nur eineinhalb Tagessätze – und da muss man konstatieren: Das Beschimpfen der Schiedsrichter in Mönchengladbach war ein Schnäppchen.

Und führt zu den Fragen: Sind Geldstrafen noch zeitgemäß, wenn sie kein bisschen mehr schmerzen? Und verstärken sie nicht sogar die Abscheu vor dem Profifußball, weil sie die Obszönität seiner Verdienstmöglichkeiten offenlegen?

Der Fußball braucht smartere Strafen. Ein schöner Ansatz war es ja, als der deutsche Nationalspieler Kerem Demirbay nach einer verächtlichen Bemerkung über Frauen im Fußball mal ein Mädchenspiel pfeifen musste. Dass er es in einem Pelzmantel tat, hätte allerdings die nächste symbolische Sanktion nach sich ziehen müssen: im nächstgelegenen Zoo mal einen Tag die Gehege ausmisten. Auch bei Julian Nagelsmann wurde eine Chance vertan: einen Monat die Spielkleidung der Bundesliga-Referees waschen (weich, nicht kratzig!), bügeln und auf DIN A4 falten. Das hätte ihn demütig gemacht gegenüber den Spielleitern, ihn eine Beziehung zu den Unparteiischen aufbauen lassen – und Geld gespart. Für 50 000 Euro bekäme man 125 Waschmaschinen aus deutscher Produktion – mit einer Lebensdauer von addiert 2500 Jahren. Das sind doch mal Zahlen, die beeindrucken.

Guenter.Klein@ovb.net

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