Allein in einer neuen Stadt

von Redaktion

Wie der Schwede Emil Johansson, seit sechs Wochen Vater, nach München kam

VON GÜNTER KLEIN

München – Man hört die Geschichten immer aus Nordamerika: Dass der Verein anruft und dem Spieler mitteilt, dass man ihn an einen anderen Club abgebe, bitte Sachen packen, in drei Stunden geht der Flieger. Eigene Mitsprache? Nicht gegeben. Kritiker sagen: Auch wenn alles gut bezahlt wird – es ist eine Form von Menschenhandel.

So wild geht es in Europa mit einer gänzlich anderen (Arbeits-)Gesetzeslage nicht zu. Doch auch in der Alten Welt verlangt der Profisport seinen Akteuren einschneidende Veränderungen ab. Einer, der das gerade erlebt, ist Emil Johansson, schwedischer Verteidiger und seit knapp zwei Wochen beim EHC München.

Der 26-Jährige spielte beim finnischen Club Vaasan Sport. „Wir dachten, dass wir in die Playoffs kommen würden“, blickt er zurück. Doch als sich abzeichnete, dass das nicht gelingen würde – Platz zehn wäre erforderlich, Vasaan Sport war 14. unter 15 Clubs –, „hat sich der Verein bei mir gemeldet und gesagt, dass er Spieler verkaufen will. Mein Agent informierte mich, dass München Interesse hat.“ So ging alles „ziemlich schnell“ – sportlich allerdings nicht zum Nachteil von Emil Johansson: Statt für den Vorletzten in Finnland spielt er nun für den Spitzenreiter in Deutschland.

In einer besonderen Phase seines Lebens: „Seit sechs Wochen habe ich eine Tochter.“ Gesehen hat er sie kaum, „meine Freundin ist mit ihr bei ihren Eltern in Schweden. Sie ist gerade dabei, Papierkram zu erledigen und einen Pass zu bekommen“. Wenn das alles klappt, bekommt Johansson in zwei Wochen Familienbesuch.

Er ist derzeit also allein in einer neuen Stadt und in einem Team, in dem er bis zu seiner Ankunft niemanden kannte. In der American Hockey League, wo er auch mal war, spielte er gegen Zach Redmond, der nun auch Verteidiger beim EHC München ist, „aber mit mir in einer Mannschaft war keiner“. Trotzdem findet er sich zurecht, Trainer Don Jackson gibt ihm viel Eiszeit. Das System in München bedürfe längerer Eingewöhnungszeit, heißt es immer. Johansson hat sich schnell integriert, Unterschiede zwischen den Ligen und Stilen beeindrucken ihn nicht: „Es ist Eishockey“, erklärt er in einem Ton, der die Aussage mitschwingen lässt: Es ist keine Raketenwissenschaft.

„In Vaasa hatten wir zwei gute Reihen, hier haben alle viel Talent“, meint er zu München – und dass man im Eishockey die Chance ergreifen muss, „wenn man in Playoffs kommen und um einen Titel spielen kann.“ Es ist erst einmal ein Aushilfsjob für ein paar Wochen – für kommende Saison soll TPS Turku sich schon in Position gebracht haben. Emil Johansson lächelt.

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