München – Es schneite ganz leicht, als Maurizio Jacobacci am Montag um 14.30 Uhr erstmals den Trainingsplatz an der Grünwalder Straße betrat. Klimatisch war also alles wie daheim in der Schweiz. Neu für den Italo-Berner dürfte das riesige Interesse an seiner Person gewesen sein. „Servus“, grüßte er leise, schaute ungläubig durch das Spalier aus 1860-Fans, Reportern und Fotografen. Bei 19 seiner jetzt 20 Stationen, die meisten bei unterklassigen Clubs im Alpenraum, dürfte weniger los gewesen sein. Mit leichten Ballübungen legte Jacobacci dann los. „Aufstieg und Meisterschaft!“, rief ihm ein besonders gut gelaunter Fan mit Fellmütze hinterher.
Zuvor hatte der Hoffnungsträger aus der Schweiz im voll besetzten Medienstüberl Einblicke gegeben, wie er als Trainer tickt, welche Art Fußball ihm vorschwebt und wo er den Hebel ansetzen will, um die Löwen kurzfristig wieder zu Siegertypen zu machen. Knapp eine Dreiviertelstunde dauerte seine Antritts-Pressekonferenz, die auch Präsident Robert Reisinger, Vize Hans Sitzberger und Ismaik-Mann Anthony Power aufmerksam verfolgten.
„Ich bin stolz, hier bei 1860 zu sein“, sagte der smarte Italiener, der sich nach eigener Auskunft schon seit dem Frühherbst mit der 3. Liga und möglichen Engagements in Deutschland beschäftigt hatte: „Fußball ist für mich keine Arbeit, es ist eine Passion, eine Leidenschaft. Es braucht Freude.“ Sein Ansatz bis zum Heimspiel am Samstag gegen Köln, seinem Einstand an der Seitenlinie: „Die Basis für den Erfolg ist eine stabile Defensive. 1860 hat schon letzte Saison viele Gegentore bekommen. Auch jetzt sind es wieder 33 Gegentore – deutlich zu viele. Wenn man hinten stabil steht, kann man mutiger und selbstbewusster auftreten.“
Doch wie will er es hinkriegen, einer verunsicherten Elf, die nur eines der letzten elf Spiele gewonnen hat, die „Winner-Mentalität“ einzuimpfen, für die er nach eigener Angabe steht? „Entscheidend ist, die mentale Müdigkeit aus den Köpfen zu bekommen und Freude reinzubringen“, sagt Jacobacci: „Wenn man Freude auf den Platz kriegt, ist extrem viel möglich.“ Die Krise bei 1860 ist für ihn folglich auch „kein physisches, sondern eher ein mentales Problem“. Zumindest hat er das aus der Ferne so analysiert. Das 0:0 in Halle verfolgte er noch am Fernseher, sah einerseits verzagte Spieler, andererseits aber auch „große Qualität“, die er durch gezieltes Training und Einzelgespräche freilegen möchte. „Die Spieler brauchen wieder Selbstvertrauen“, predigt er, „das ist enorm wichtig. Am Ende ist entscheidend: Wollen wir oder wollen wir nicht?“
Was zur Frage aller Fragen führte: Was ist noch möglich in dieser Saison? „Ich würde den Aufstieg nicht in den Mund nehmen im Moment“, sagte er. Das einzige Ziel, über das er sprechen möchte, ist das Heimspiel am Samstag gegen Köln, bei dem er ziemlich sicher das System ändern wird (bei vielen seiner Clubs ließ er 3-4-1-2 spielen), die Spieler aber nicht mit Taktikvorgaben überfordern möchte. „Ich setze auf ganz einfache Muster, die sie schon am Samstag umsetzen können“, sagte er: „Wir dürfen nicht zu viele Veränderungen vornehmen, sonst entsteht ein Wirrwarr in den Köpfen“.
Davon hatten die Löwen in den vier Wochen seit der Freistellung von Michael Köllner genug. Nach hinten will der Neue aber nicht schauen, sondern ausschließlich nach vorne, wo einige Arbeit auf ihn zukommt. Jacobacci weiß das, ist aber zuversichtlich, dass seine 14-Spiele-Mission mit einem Auftaktdreier beginnen kann. Ehe er am Montag zum ersten Training bat, sagte er voller Tatendrang: „Ich freue mich, mit den Spielern am Nachmittag auf dem Platz zu stehen. Ich denke, das wird eine geile Sache.“