München – Ok, ein kleines Problem gab es dann doch seit Per Nilsson im vergangenen Frühjahr seinen neuen Job beim Deutschen Skiverband (DSV) antrat. Zumindest sprachlich war die Sache schwieriger als erwartet: „Die reden alle so stark Dialekt“, sagte der Mann, der seit Mai für die deutschen Langläuferinnen zuständig ist.
Aber er hat sich ja irgendwie hineingehört. Und das offenbar so gut, dass der 52-jährige Schwede aus dem DSV-System schon nach wenigen Monaten kaum noch wegzudenken ist. Die bisherige Weltcup-Saison war schon so gut wie seit den Zeiten der Generation Claudia Nystad, Evi Sachenbacher nicht mehr. Und auch bei der WM in Planica gehören die deutschen Frauen mit zwei vierten Plätzen in Skiathlon und Teamsprint zu den Lichtblicken. Auch am Dienstag über die 10 Kilometer (12.20 Uhr/ZDF und Eurosport) gehören Katharina Hennig & Co wieder zum erweiterten Favoritenkreis.
Wobei ja nicht nur Topläuferin ins Rampenlicht lief. „Auch Victoria Carl, Laura Gimmler – alle haben einen Sprung nach vorne genacht“, sagte Nilsson.
Vielleicht auch weil der freundliche Schwede beste Argumente für seine Ideen hatte. Er kam als Heimtrainer von Topstar Frida Karlsson. Die Tour-de-Ski-Siegerin hat er nebenbei auch weiter unter seinen Fittichen. Man musste es schon eher als Kompliment sehen, dass sich ein Kaliber wie Nilsson, der zuletzt auch das Team USA befehligt hatte, plötzlich für den DSV interessierte. „Ich habe das Potenzial gesehen“, sagte er, „und ich bin nicht weit von meiner Heimat.“
Nilsson dreht behutsam an den Stellschrauben. Änderte die Abfolge von intensiven und Ausdauereinheiten, ließ seine Athletinnen individueller trainieren. Es sind auch diese Dinge, die Schlickenrieder meinte, als er zum Saisonstart meinte: „Deutschland hat in den letzten Jahren ein bisschen die Entwicklung verschlafen.“ So oder so: Der Effekt machte sich schon zu Beginn des Winters deutlich bemerkbar.
Und der Wahl-Oberstdorfer Nilsson ist sich sicher: da geht noch mehr. Bis zu den Olympischen Spielen in Mailand sind seine Athletinnen zwischen 25 und 29 Jahren alt. So etwas wie die Blütezeit in der Ausdauerdisziplin Langlaufen. Ob der Starcoach aus Skandinavien dann noch mit von der Partie ist, ist offiziell vorerst ungeklärt. Sein Vertrag mit dem DSV läuft vorerst nur ein einziges Jahr. Doch das dürfte wohl nicht viel mehr als eine Formsache sein. Immerhin bemüht sich auch Per Nilssons Frau, eine Physiotherapeutin, bereits um eine Zulassung in Deutschland.