Die Bergauf-Sprinterin

von Redaktion

SKIBERGSTEIGEN Tatjana Paller will bei der WM in Spanien aufs Podest – und 2026 zu den Olympischen Winterspielen

München – Tatjana Paller liebt es den Berg hinauf zu rennen – sowohl mit den Skiern am Rucksack befestigt, als auch mit den Skiern und Fellen unter den Füßen. Oben angekommen hüpft sie hoch, um in der Luft die Felle von den Skiern zu reißen. Das Motto: bloß nicht trödeln! „In kurzer Zeit richtig hart an die Grenze gehen“, beschreibt die Lenggrieserin im Gespräch mit unserer Zeitung diesen Wettkampf im Skibergsteigen, den Sprint. Circa 100 Höhenmeter gilt es zu bewältigen, etwas mehr als vier Minuten brauchen die besten Skibergsteigerinnen der Welt dafür. Paller gehört dazu, sie hat sich auf den Sprint spezialisiert, seit sie 2020 zu der Sportart kam. Zuvor war die inzwischen 27-Jährige auf dem Rennrad unterwegs.

Für einen Podestplatz hat es im Weltcup bisher noch nicht gereicht. Die Rennen sind von der International Ski Mountaineering Federation ISMF organisiert, in der Disziplinwertung liegt sie auf dem siebten Rang. „Natürlich freue ich mich über vierte und fünfte Plätze“, meint sie, aber: „Das Ziel ist schon, auf dem Podium zu landen.“ Heute wäre dafür eine gute Gelegenheit – im spanischen Boi Taull, einem Skigebiet in Katalonien nahe der Pyrenäen, startet sie bei der Weltmeisterschaft.

„Traum und Ziel“ sei eine Medaille, sagt Paller, auch wenn sie wisse, dass es angesichts der Konkurrenz schwer werde. Alle Athleten dort dürften aber noch etwas anderes im Hinterkopf haben: Olympia. 2026 in Cortina d‘Ampezzo wird der Sport dabei sein. Durch diesen Anreiz professionalisieren sich die Athleten. „Das Feld wird dichter, es gibt mehr auf einem ähnlichen Niveau“, beschreibt es Paller: „Man merkt, dass die Nationen aufrüsten. Viele die früher nebenher gearbeitet haben, sind jetzt Vollprofis.“

Auch Deutschland müht sich, den Abstand auf die führenden Franzosen, Italiener und Schweizer zu verkürzen. Der Wettkampfsport ist beim Deutschen Alpenverein DAV organisiert. Einen Bundestrainer gab es schon, erstmals ist er diese Saison hauptamtlich angestellt. Florian Steirer hat den Posten übernommen. Der 41-jährige Österreicher war zwischen 2018 und 2022 Co-Trainer bei den deutschen Biathlon-Frauen. Eine Sportart, deren Charakteristik nahe an der von Skibergsteigen liegt. Einen Trainer zu haben, der in einem ähnlichen Sport erfolgreich war, gebe ihr viel, führt Paller aus: „Man vertraut leichter.“ Was sich bei ihr geändert hat? „Allgemein trainiere ich mehr und auch zweimal am Tag“, sagt die Sportsoldatin und Lehramtsstudentin.

„Tatl weiß genau, was sie will“, beschreibt sie ihr Trainer. „Sie hat vom Herrgott eine riesige Portion Talent mitbekommen für den Sprintbereich.“ Außerdem ist Paller sowohl bei Männern und Frauen die Einzige, die schon zur absoluten Weltspitze gehört. Drei Jahre hat Steirer noch bis Olympia, um noch mehr Athleten von ihrem Format zu formen. „Ein harter Weg“, aber Optimismus gäben ihm die Wettkampfformate der Spiele: Sprint und die Mixed Staffel. „Sie treffen vielleicht nicht den Kern der Sportart, weswegen viele Athleten schimpfen, aber uns kommt das entgegen. Von Natur aus baut man jüngere Ausdauerathleten erst für die kürzeren Distanzen auf.“

Bei Paller und dem Sprint hat es sofort gefunkt, erzählt sie: „Es hat mir gleich am meisten Spaß gemacht.“ Zudem könne sie hier den Vorteil nutzen, dass sie als frühere Vereinsfahrerin gut Skifahren kann. Nicht alle Disziplinen haben auch eine Abfahrt. Was ihr zudem „taugt“, sind die „engen Entscheidungen“: Nach der Qualifikation geht es mit dem Viertelfinale los, ähnlich zum Skicross. Sechs Sportler gleichzeitig kämpfen sich durch den Kurs, nur die besten zwei kommen sicher weiter. Es ist ein hektisches Renngeschehen.

Wo sie noch besser werden muss: Beim Wechsel von Aufstieg mit Skiern, zu Tragepassagen, zur Abfahrt und wieder zum Aufstieg. Bei diesen Bewegungsabläufen verliere sie noch Zeit, sagt Paller: „Das macht zwar keinen Spaß, aber es gehört dazu.“ Dafür macht der Rest Spaß. Selbst ohne Zeit, das Panorama zu genießen. THOMAS JENSEN

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