Kampfansage an den Platzhirsch

von Redaktion

DFB Marc-Andre ter Stegen will Manuel Neuer im Nationalteam ablösen: „Natürlich ist das mein Anspruch“

München – Platzhirsch Manuel Neuer hat die Krücken weggeworfen, doch seine Herausforderer wittern ihre große Chance. Knapp 14 Monate vor der Heim-EM hat der „ewige“ Stellvertreter Marc-Andre ter Stegen deutlich wie nie Ansprüche auf den Stammplatz im deutschen Tor erhoben. Wie der Frankfurter Kevin Trapp will der Schlussmann des FC Barcelona beim erhofften Sommermärchen 2.0 eine Hauptrolle übernehmen – und Kapitän Neuer in die Nationalmannschaftsrente schicken. „Ich glaube, dass meine Leistungen in den vergangenen Jahren gestimmt haben und ich auch in der Nationalmannschaft gereift und bereit für den nächsten Schritt bin“, sagte ter Stegen (30) dem kicker und ergänzte: „Natürlich ist es mein Anspruch, die Nummer eins zu sein: Bei Barça, aber auch in der Nationalmannschaft.“

Ähnliches war kürzlich aus Frankfurt zu hören. „Kevin muss im Tor stehen“, sagte Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche über Trapp (32) und betonte: „Was seine Leistungen betrifft, ist er derzeit der beste deutsche Torwart.“

Bei Hansi Flick war die Reihenfolge bisher klar: Neuer, für den Bundestrainer vor seinem Schien- und Wadenbeinbruch „immer noch der beste Torwart der Welt“, war seine unumstrittene Nummer eins. Dahinter folgte ter Stegen vor Trapp.

Doch vor dem Neustart nach dem WM-Desaster mit den Länderspielen gegen Peru und Belgien am 25. und 28. März hat Flick „mutige und überraschende Entscheidungen“ angekündigt. Er will „frischen Wind“ reinbringen und „dem einen oder anderen helfen, sich festzuspielen“. Auch einem neuen Torwart? Das „Wichtigste“ sei, meinte Flick, dass Neuer gesund werde. Alles Weitere werde man sehen. Falls der Bayern-Profi wieder zu alter Stärke finde, „kann ich mir schon vorstellen, dass er wieder spielt“, sagte der neue Sportchef Rudi Völler am Sonntag. Die „tollen Torhüter“ ter Stegen und Trapp hätten nun aber die Chance, „sich zu zeigen“.

Ter Stegen ist wild entschlossen, sie zu nutzen und nach 30 Länderspielen aus Neuers Schatten zu treten – als Nummer 1 bei der Heim-EM. „Das ist mein Ziel, natürlich“, sagte er.

Über seine womöglich neue Rolle will er mit Flick vor den anstehenden Länderspielen sprechen. „Der Trainer wird dann die Entscheidungen treffen, die er treffen muss.“ Er hofft, dass der Bundestrainer „seine neuen Ideen sehr konsequent durchziehen wird und sich personell einiges verändert“.

Bei Barça betreibt ter Stegen beste Eigenwerbung, kassierte in 23 Ligaspielen nur acht Gegentore. Neuer, betonte er, wolle er nichts Böses. Er wünsche dem 36-Jährigen, „von menschlicher Seite, aber auch als Fußballer und Kollege“, dass er stark zurückkomme. Zugleich präsentiert sich der frühere Gladbacher als Keeper der Zukunft – mit einem Blick in die goldene Vergangenheit. 2017, beim Confed-Cup-Triumph in Russland, sei man „ein richtig cooler Haufen gewesen“, sagte ter Stegen, damals die Nummer eins: „Wir waren bereit und hatten Lust, gemeinsam zu leiden und für den Anderen da zu sein.“ So soll es auch in der „neuen“ DFB-Elf sein – mit Torwart ter Stegen.  sid

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