Mehr Druck, mehr Titel?

von Redaktion

Bayern will nach Union-Erlösung weiter siegen – „Jetzt muss eine Serie her“

VON MANUEL BONKE UND HANNA RAIF

München – San mia no mia? Diese Frage stellte sich vergangene Woche, nachdem der FC Bayern in Gladbach verloren und Trainer Julian Nagelsmann in Folge dessen die Nerven verloren hatte. Die entsprechende Antwort lieferte die Mannschaft mit dem 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen Union Berlin: Mia san wieder mia! Damit es sich dieses Mal nicht wieder nur um eine Moment-Aufnahme handelt – wie es diese Saison schon häufiger der Fall war – schwörte Vorstandschef Oliver Kahn seine Bayern im Hinblick auf die wegweisenden nächsten Wochen ein. „Man muss ja nur auf die Bundesliga-Tabelle schauen. Das ist alles sehr eng beieinander“, begann der 53-Jährige seine Ausführungen und forderte: „Jetzt müssen wir beginnen. Jetzt können wir uns so etwas wie in Gladbach oder die drei Unentschieden zu Beginn des Jahres nicht mehr erlauben.“

Die Münchner dürfen in der Bundesliga keinen Millimeter nachlassen, ansonsten könnte ihnen die punktgleiche Titel-Konkurrenz aus Dortmund (46 Zähler) die elfte Meisterschaft in Folge streitig machen. Für Kahn kann diese Konstellation dazu beitragen, die Sinne des Münchner Star-Ensembles entscheidend zu schärfen: Das Punkte-Polster der vergangenen Jahre gebe es nicht mehr, „vielleicht ist es aber insgesamt gar nicht so schlecht. Vor allem, wenn jetzt das Spiel gegen Paris kommt. Es ist gut, wenn du in allen Wettbewerben fighten und kämpfen musst, wenn du dranbleiben musst, weil das einfach die Spannung in allen Wettbewerben erhöht“. Die These des Titans: Mehr Druck, mehr Titel!

Etwas mehr Ruhe im Verein dürfte aber nicht schaden. Passend dazu traf sich die Mannschaft am Freitag vor dem Union-Spiel im Forsthaus Wörnbrunn zum deftigen Mannschaftsabend. Ziel der Veranstaltung: Weniger FC Hollywood, mehr bayerische Beständigkeit! „Wir haben gut gegessen, das war das Wichtigste. Wir haben unser Überleben gesichert. Ein hervorragendes Menü“, scherzte Thomas Müller. Ochsenbacken, Rehrücken oder Bauern-Ente: Die Speisekarte liest in der Tat gut-bürgerlich statt dekadent. Lediglich die Garnelen in Bierteig mit Koriander-Krautsalat an Schnittlauchemulsion und Creamy Green erinnern an die Scampi-Bayern der 2000er Jahre. „Wir hatte eine gute Zeit. Es war schon der Sinn des Abends, dass wir so eine Leistung zeigen wie jetzt gegen Union“, berichtete Müller.

Kahn zeigte sich von der kulinarischen Eigen-Initiative der Mannschaft angetan: „Das sind kleine, aber wichtige Momente, die zum Schluss ein Mosaikstein für Erfolg sein können.“ Nagelsmann gestand, dass die Mannschaft und er selber „wenig Lust haben, dass so viel Theater drumherum ist. Es ging darum, unserem Anspruch gerecht zu werden. Für jeden Spieler darum, zu wissen, was es heißt Bayern-München-Spieler zu sein“. Das weiß auch Müller besser als jeder andere und fordert: „In dieser heißen Phase ist es besonders wichtig, dass wir diese Egos absolut in den Dienst der Mannschaft stellen. Es gibt immer Emotionen, links, rechts. Jeder ist mal sauer oder unzufrieden. Aber es gilt, diese Energie ins Team zu stecken und nicht das Team runterzuziehen.“

Müller selbst zeigte bei seinem ersten Startelf nach der Auswechslungs-Schmach von Gladbach als doppelter Vorlagengeber eine starke Partie und warnte vor zu viel Euphorie. Es sei nur ein „erster Schritt“ gewesen, „ein Signal an uns selbst“. Man dürfe „nicht den Fehler machen, da zu viel hineinzuinterpretieren. Wir müssen in der Spur bleiben und in den nächsten Wochen liefern – und das alle drei Tage. Jetzt geht es weiter“, sagte Müller.

Trainer Nagelsmann attestierte eine „sehr gute Leistung. Ich hätte ihm gegönnt, dass er noch das eine oder andere Tor folgen lässt aus seinen großen Chancen. Aber: Er hat zwei Tore vorbereitet, viel gesprochen. Wir sind auch durch ihn in sehr viele gute Offensiv-Abläufe gekommen“. Gleichzeitig erinnerte der Fußballlehrer daran, dass Müller für ihn stets eine wichtige Ansprechperson sei, auch wenn dieser einmal nicht spiele: „Er ist einer, der mit Weitsicht den Klub und die Mannschaft im Blick hat – und nicht nur sich selbst. Er verhält sich im Sinne der Sache und der Mannschaft sehr gut.“

Ähnliche Worte wählte Oliver Kahn. „Er ist mit seiner Riesen-Erfahrung ein wichtiger Faktor, auch eute wieder. Er ist einer, der auch lautstark auf dem Platz führt oder die Mitspieler nach gelungenen Aktionen abklatscht.“ Aktuell spricht wieder vieles für einen Stammplatz des Raumdeuters – auch im Hinblick auf das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain nächste Woche Mittwoch (21 Uhr, DAZN). So will Nagelsmann in der heißen Phase der Saison noch mehr auf eine eingespielte Achse setzen, deren Automatismen für viele Siege und daraus resultierende Titel sorgen sollen: „Eine gewisse Achse ist wichtig. An der wollen wir auch in den nächsten Spielen festhalten. Von der ist Thomas ein Teil davon.“ Musik in den Ohren von Radio Müller.

Artikel 1 von 11