Planica – Am vorletzten Tag wurden in Planica noch Töne hörbar, die es so aus dem deutschen Lager bei dieser Nordischen Weltmeisterschaft in Slowenien zuvor nicht zu hören gegeben hatte. Sie kamen von Markus Eisenbichler, Deutschlands wieder erstarkender Skispringer wütete nach einem missglückten Taktikkniffs seines Trainers Stefan Horngacher und Platz fünf im Teamspringen, in das die DSV-Adler als Titelverteidiger gegangen waren.
Aber irgendwie passte die Sache ja in ein verkorkstes deutsches Schlusswochenende: Kombinierer-Hoffnung Julian Schmid ging nach drei Silbermedaillen die Luft aus – Platz sechs von der Großschanze. Katharina Hennig vermasselte über die 30 km den Skiwechsel – Platz sieben. Einzig Rang 21 für Jonas Dobler im abschließenden Skimarathon der Männer lag im erwarteten Bereich an einem Wochenende, an dem zumindest auf den Rängen erstmals echte Stimmung aufkam. .
Die Macher des Deutschen Skiverbandes (DSV) kratzte der abschließende Ergebnisknick freilich wenig. Warum auch – auch so hatten die DSV-Athleten mit insgesamt zwölf mal Edelmetall das beste Ergebnis ihrer WM-Geschichte eingetütet. „Es haben uns jetzt zehn Tage lang alle Nationen der Welt gratuliert“, sagte Horst Hüttel, der Sportdirektor der Skispringer und Kombinierer, Die letzten zwei Tage haben wir mal den anderen gratulieren dürfen“.
Und was Hüttel und Kollegen besonders gefallen haben dürfte: Es waren diesmal alle drei beteiligten Abteilungen, die dem Verband Platz drei in der Medaillenwertung hinter den Überfliegern aus Norwegen und Schweden bescherten. Seit Oslo 2011 – über fünf Mini-Olympias also – hatten die Skilangläufer immer den Kollegen beim Feiern zusehen müssen. Nun gab es mit Silber- und Bronze für die Staffeln gleich zweimal Edelmetall. „Jetzt sind wir nicht mehr die kleinen Langläufer in Deutschland, jetzt haben wir auch eine Medaille“, jubelte Janosch Brugger entsprechend. Und dabei wird es nicht bleiben, wie Teamchef Peter Schlickenrieder versprach. „Irgendwann werden wir auch die Norweger schlagen“, kündigte er an.
So könnten es die Kombinierer auch formulieren. In allen fünf WM-Wettbewerben führte in Planica kein Weg an den alles beherrschenden Skandinaviern vorbei. Wobei Dauer-Bundestrainer Hermann Weinbuch, der nun tatsächlich ins zweite Glied zurücktreten will, zumindest ein bestelltes Feld hinterlässt. Die besten Zweikämpfer sind jung. Julian Schmid ist 23, Vinzenz Geiger 25, Aufsteigerin Nathalie Armbruster sogar erst 17. So unsicher die Zukunft der Traditionsdisziplin vor allem bei den Olympischen Spielen sein mag – sportlich stehen die Zeichen beim DSV auf grün.
Und die Skispringer? Die Überflieger von Seefeld 2019 und Oberstdorf 2021 versöhnten sich tatsächlich in Planica mit einer weitgehend verpatzten Saison. Ok, mit Springer-Königin Katharina Althaus hatte man als Nummer zwei des Weltcups ja durchaus rechnen können. Aber auch die Männer übertrafen alle Erwartungen. Mit einer Medaille hatte Bundestrainer Horngacher im Interview mit unserer Zeitung vorsichtig geliebäugelt. Am Ende wurden es auch für seine Schützlinge deren drei. Andreas Wellinger und Karl Geiger demonstrierten gleich zum Auftakt mit Silber und Bronze von der kleinen Schanze, aufsteigende Form – Gold im Mixed-Wettbewerb war da schon fast die logische Konsequenz. Und auch Platz fünf für Eisenbichler auf der Großschanze fühlte sich fast so an wie Edelmetall.