Berlin – Am Ende sah alles ganz einfach aus. Binnen von 14 Sekunden schnappte sich DJ Seeley zweimal den Ball. Zweimal streichelte er ihn fast zärtlich von der Dreierlinie durch die Reuse. Es waren die Momente, die den Deckel auf ein heiß umkämpftes BBL-Spitzenspiel setzten. Am Ende stand ein 76:71 (43:43) des FC Bayern bei Alba Berlin, Sieg Nummer drei im vierten Saisonduell mit dem Erzrivalen. Nationalspieler Niels Giffey staunte Minuten nach der Schlusssirene noch immer: „DJ ist bei solchen Sachen tiefenentspannt. Das ist beneidenswert.“
Sprachs und lächelte verschmitzt. Weil Giffey wohl ahnte, dass ihm mit seinen Bayern ein besonderer Coup gelungen war. Tabellarisch mag der Sieg angesichts des immer noch deutlichen Abstands nicht die große Rolle spielen. Und doch hatte man dem Titelverteidiger aus der Hauptstadt zwei Wochen nach dem Pokal-Halbfinale einen weiteren Grund zum Grübeln mitgegeben. Zweimal in Folge setzte man sich nun im nationalen Wettbewerb durch. Auf einem Terrain, auf dem sich die Albatrosse in den vergangenen Spielzeiten wegen der besseren deutschen Akteure hatten überlegen fühlen dürfen.
Die Dinge haben sich geändert, man hat sich Argumente an Bord geholt. Leute wie Isaac Bonga. Der Ex-NBA-Profi entwickelte sich am Samstagabend zur Nervensäge unter den Körben für Alba. Zwölf Rebounds griff er ab, darunter alleine sechs in der Offensive – sechs zweite Wurfchancen, die doppelten Wert hatten, in einem insgesamt punktearmen Duell.
Und dass die Bayern auf den internationalen Positionen Vorteile haben, ist keine neue Erkenntnis. In Abwesenheit des wegen Rückenproblemen geschonten Kapitäns Vladimir Lucic war es Routinier Othello Hunter, der am Spitzenspiel besonderen Spaß hatte. Der Center garnierte seine optimale Bilanz aus kurzer Distanz (sieben Würfe, sieben Treffer) mit drei erfolgreichen Dreiern. Was er selbst nur logisch fand. „Ich werde auch älter“, meinte er augenzwinkernd, „da kann ich meinen Körper nicht mehr so reinhauen und werfe lieber von draußen.“ 24 Punkte – so viel hatte Hunter in seinen knapp zwei Spielzeiten in der BBL noch nie eingesammelt. Auch sein Trainer Andrea Trinchieri nahm es mit einem Lächeln: „Wir schaffen es, dass sich Othello jünger fühlt. Er hatte ein unglaubliches Spiel.“
Über das er sich allerdings nicht lange freuen dürfen wird. Schon am Dienstag muss man wieder ran – dann kommt Villeurbanne in den Audi Dome. PATRICK REICHELT