Bescheidene Seriensieger wappnen sich für Chelsea

von Redaktion

Dortmunder reisen mit Rückenwind an die Stamford Bridge

London – Das Zucken in den Mundwinkeln verriet Sebastian Kehl sofort. Gnädigerweise, sagte der Sportdirektor von Borussia Dortmund, wäre er nach zehn Siegen in Serie „dieses Mal auch mit einem Unentschieden zufrieden“. Klar: Denn auch ein Remis würde den BVB im millionenschweren Härtetest bei der wilden Geldschleuder FC Chelsea ins Viertelfinale der Champions League führen.

Die unschlagbaren Dortmunder Serientäter stiegen aufgepumpt mit Selbstbewusstsein in den Flieger nach London. Neben dem zuletzt angeschlagenen Donyell Malen trat auch Stammtorhüter Gregor Kobel (muskuläre Probleme) die Reise an, ein Einsatz erscheint also möglich. Sollte der große Rückhalt ausfallen, wird am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) wie gegen RB Leipzig (2:1) sein Vertreter Alexander Meyer gefordert sein. Das Vertrauen des Teams hat er.

So oder so – der BVB des Jahres 2023 kann vor Kraft kaum laufen. „Wir wehren uns, wir sind bereit, zu leiden, wir fighten ohne Ende“, lobte Kehl, doch er warnte: An der Stamford Bridge werde die Mannschaft über ihre Grenzen müssen. „Genau das zeichnet uns aus“, sagte Kapitän Marco Reus (Foto: Imago), der zu den Erfahrensten im Kader gehört, wenn es um große Abende geht.

Viele rund um den BVB hatten befürchtet, Chelsea würde in den drei Wochen seit dem Hinspiel (der BVB siegte 1:0) seine vielen Stars zu einem schlagkräftigen Team formen können. Doch nein: Die Investitionen von mehr als 600 Millionen Euro in acht Monaten zahlen sich weiter nicht aus. Der schwer angezählte Teammanager Graham Potter und seine Mannschaft, bei der Ex-Dortmunder Christian Pulisic am Mittwoch erstmals nach zwei Monaten (Knieverletzung) wieder im Kader sein wird, sind weit weg von der Spitze, so weit, dass es zwischenzeitlich fraglich erschien, ob Potter beim Rückspiel noch dabei sein würde.

Allerdings wird der BVB nicht nach England reisen und mal eben den Gegner herspielen, das hat das erste Duell gezeigt: Die Borussia hatte wie so oft derzeit eine Menge Glück. Die Siege fallen ihr nicht in den Schoß, „wir tun uns sehr, sehr schwer und müssen bis zum Ende zittern“, beschreibt es Reus.

Die Woche wird sportlich, finanziell und emotional sehr bedeutsam. Am Mittwoch wird Dortmund nach Hause fliegen, am Samstag geht es zum Derby bei Schalke 04 – ein weiterer Anreiz liegt darin, dass der BVB den Erzrivalen an den Abgrund schieben kann. „Es ist die wichtigste Woche der Saison“, betonte Trainer Edin Terzic: „Bisher.“

Man weiß ja nie, ob es im Mai nicht noch um Titel geht: Die Champions League, naja, wirkt etwas hoch gegriffen. Der DFB-Pokal, vielleicht die erste Meisterschaft seit 2012? Alle drei sind möglich, auch wenn jeder sich eher die Zunge abbeißen würde, als drüber zu sprechen. Er wolle „die Energie beschützen“, sagt Terzic. Und: Er habe keine Lust, sich für Spielglück zu rechtfertigen.

Es gebe einige „Themen“, die abzuarbeiten seien, unter anderem „die Konstanz“, was in dieser längsten Pflichtspiel-Siegesserie der Vereinsgeschichte ein Kuriosum ist. „Wir sind schwer zu besiegen“, betonte der Trainer. Und nicht zu verlieren, siehe Sebastian Kehl, das würde ja auch reichen.  sid

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