Sakhir – „Ooooh, Fernando Alonso“ schallte es durch das Fahrerlager, ein Pulk von Fotografen versammelte sich vor der Garage von Aston Martin – und dann kam endlich, mit seinem Pokal um die Wette strahlend, der von seiner Crew besungene Altmeister. Auch wenn sich der Eindruck aufdrängte: Gewonnen hat Fernando Alonso den Saisonauftakt in Bahrain nicht. Doch beim Erfolg von Doppelweltmeister Max Verstappen wirkte der drittplatzierte Spanier wie der zweite große Sieger.
„Das ist erst der Anfang. Dieses Auto wird noch weiterentwickelt“, freute sich Alonso nach seinem 99. Podium in der Formel 1 – und dem erst zweiten seit 2014. Das gesamte Wochenende habe sich für ihn „wie ein Traum“ angefühlt. Und tatsächlich: Alonso, der im Misserfolg griesgrämig und verletzend sein kann wie kein Zweiter im Feld, strahlte in den Tagen von Bahrain wie zu besten Zeiten.
Diese liegen lange zurück: 2005 und 2006, als er seine WM-Titel gegen Michael Schumacher errang, war noch keiner seiner heutigen Kontrahenten in der Königsklasse aktiv. Und als Fernando Alonso Diaz (41) im März 2001 debütierte, war Rookie Oscar Piastri nicht mal geboren. Doch „Magic Alonso“ (Marca), austrainiert und ehrgeizig wie eh und je, sieht sich noch lange nicht auf der Zielgeraden.
„Auf jeden Fall“ glaube er an seinen 33. Formel-1-Sieg, den ersten seit 2013, „denn wir haben noch 22 Chancen in dieser Saison“. Über den Winter, mit dem Wechsel von Sebastian Vettel zu ihm und dem Austausch des letztjährigen, flügellahmen Aston Martin gegen den AMR23 ist dem ambitionierten Team ein Quantensprung gelungen – eine Entwicklung, die auch Dauersieger Verstappen aufmerksam verfolgt.
„Sie haben ein sehr gutes Auto, auf einigen Strecken werden sie ein Sieganwärter sein“, sagte der Niederländer, der in Sakhir mit einem ungefährdeten Erfolg seine Mission Titel-Hattrick standesgemäß gestartet hat.
Hinter den Bullen aber, und das ist ebenso eindeutig, bringt sich das mit zahlreichen Top-Ingenieuren verstärkte Aston Martin in Position – während Ferrari und Mercedes ratlos erscheinen. „Jedes Rennen“ werde Red Bull gewinnen, sagte Mercedes-Pilot George Russell nach Rang sieben. Sein Teamchef Toto Wolff ordnete am Sky-Mikrofon prägnant ein: „Red Bull ist auf einem anderen Planeten unterwegs. Aston Martin hatte das zweitschnellste Auto, deren Entwicklung ist unglaublich. Bei uns: Seuche.“
Und bei Ferrari mangelt es nicht nur an Geschwindigkeit, sondern auch an Haltbarkeit. Beim SF-23 von Charles Leclerc wurde vor dem Rennen vorsorglich die Batterie gewechselt, im Grand Prix streikte der Antrieb. „Es gibt viel Raum für Verbesserungen“, sagte der neue Ferrari-Teamchef Fred Vasseur beschönigend.
Das gilt auch für Nico Hülkenberg. „Ich bin mehr oder weniger die erste Hälfte des Rennens einfach so herumgefahren, chancenlos“, sagte er bedröppelt bei Sky. Sein Comeback als Stammpilot nach 1190 Tagen Wartezeit hatte er sich anders vorgestellt. Von Startplatz zehn bestand die Chance auf Punkte beim Comeback. Dann aber der leichte Kontakt mit dem Alpine von Esteban Ocon, an Hülkenbergs Haas verabschiedete sich ein Teil des Frontflügels – und das Bahrain-Rennen war praktisch gelaufen. sid