Top beim USA-Flop

von Redaktion

Sanders Podest im strittigen Aspen-Weltcup

VON THOMAS JENSEN

München – Die erste Reaktion nach Andreas Sanders erlösender Fahrt: Zeigefinger nach oben, danach eine geballte Faust. Ein Skiläufer gestikuliert oft so, wenn er das Gefühl hat, dass die Fahrt nicht so schlecht war. Sander hatte schon einige solche Fahrten in seinem Leben. Aber bei 180 Starts seit seinem Debüt 2008 im Weltcup noch nie so eine wie am Sonntag im amerikanischen Aspen, die mit einem Podest belohnt wurde.

„Endlich“, sagte der 33-Jährige nach seinem zweiten Platz hinter dem Schweizer Dominator Marco Odermatt, „hat es geklappt.“ Er bezog dieses „endlich“ wohl auch auf seine Karriere. Schon dreißigmal war er in die Top Ten gerast. Aber genauso bezog er es auf den laufenden Winter, in dem er nun doch noch so gefahren sei, „wie ich es mir vorgenommen habe“. Gerade wegen des bisherigen Saisonverlaufes war er nicht nur „mega happy“, sondern auch „teilweise überrascht“. Denn Fahrten, die mit geballten Fäusten endeten, waren zuletzt selten beim Abfahrtsvizeweltmeister von 2021 – und im gesamten deutschen Speedteam.

„Wir haben rein vom Ergebnis den Anschluss an die absolute Weltspitze im Speed verloren“, hatte es Alpinchef Wolfi Maier noch im Januar formuliert. In Zahlen: Nur acht einstellige Ergebnisse vor Sanders Stockerl in dieser Saison. Zu wenig. Dass ein Podest bei nur noch zwei ausstehenden Speedrennen (beim Weltcupfinale in Andorra) die Saison für dieses Quartett nicht rettet, dürfte klar sein. Aber zumindest ist es eine Bestätigung für Alle und besonders Sander, dass es noch möglich ist, mit den Besten mitzufahren. „Dass ich es jetzt so schaffe am letzten Tag – da tritt man gerne die Heimreise an“, sagte der im Allgäu lebende Westfale.

Mit Freude heimfliegen – das dürfte für besonders Viele gelten, auch diejenigen, die es ohne ein gutes Ergebnis machen müssen. Schon zuvor gab es Kritik an der zweiten Überseereise der Alpin-Männer in dieser Saison. Der umstrittene FIS-Präsident Johan Eliasch hatte sie entgegen der Bedenken zu Reisestrapazen und dem ökologischen Abdruck durchgesetzt, um auf dem amerikanischen Markt präsenter zu werden.

Dass in diesem Sinne etwas erreich wurde – zumindest zweifelhaft. Der ehemalige Chef des Österreichischen Skiverbandes und Eliasch-Förderer (auch ehemalig) Peter Schröcksnadel etwa wetterte gegenüber der Schweizer Zeitung „Blick“ gegen eine fehlende Liveübertragung in den Staaten. Nur wegen dieser Pläne habe er damals den Plänen einer zweiten Amerikareise zugestimmt, so Schröcksnadel, der in seiner Kritik an Eliasch fundamental wurde: „Ich habe geglaubt, dass er gewinnbringende Ideen in den Ski-Sport einbringen würde. Aber nun muss ich leider konstatieren, dass er von diesem Geschäft überhaupt keine Ahnung hat.“ Laut FIS sei eine Liveübertragung im US-Fernsehen allerdings nie geplant gewesen – lediglich um generelle Berichterstattung sei es Eliasch gegangen.

Unmut gab es allerdings auch die Situation vor Ort betreffend. Diese war ebenfalls aus dem österreichischen Lager zu vernehmen. Als „nicht weltcupwürdig“ bezeichnete der Cheftrainer der ÖSV-Männer, Marko Pfeifer etwa die Skiräume und Unterkünfte. Auch die Strecke der Abfahrt kritisierte er, diese sei zu kurz und flach gewesen.

Positive Schlagzeilen hat Eliaschs Projekt – in Europa – also eher nicht fabriziert. Kaum welche, wenn überhaupt, gab es in den USA. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck beim Durchforsten der gängigen Portale. Die letzte Ski-Alpin-Meldung auf dem Internetauftritt des bekannten Sportsenders ESPN z. B. stammt von der WM. Sie geht über Mikaela Shiffrin.

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