Wurstsemmel-Ansage an Weigl

von Redaktion

Bundesliga-Star hilft Ex-Club Rosenheim finanziell – und erzählt von damals

München – Julian Weigl absolviert den ersten Teil der Reha nach seinem Syndesmoseband-Teilriss in der bayerischen Heimat. Bei OS-Physio in der Balanstraße schuftet der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach an seinem Comeback, das im Laufe des Aprils geplant ist. Und als Ex-Spieler des TSV 1860 ließ es sich der 27-Jährige nicht nehmen, im Löwen-Stüberl vorbeizuschauen.

Nicht der einzige Ex-Club, dem Weigl einen Besuch abstattete. Die Gladbach-Leihgabe von Benfica Lissabon schaute auch bei seinem Jugendverein TSV 1860 Rosenheim vorbei – und hatte gute Nachrichten im Gepäck. Weigl greift dem klammen Club, der auch Profifußballer wie Bastian und Tobias Schweinsteiger oder Thomas Broich ausbildete, im Nachwuchsbereich unter die Arme. Nicht nur finanziell, auch als eine Art Schirmherr für den Jugendfußball. Angedacht ist ein Abend, an dem er sich auch mit Jugendspielern und deren Eltern treffen möchte, um Einblicke zu gewähren, was dazugehört, um dem Traum vom Fußballprofi näher zu kommen.

Warum sich der sechsmalige Nationalspieler für die Rosenheimer Sechziger so ins Zeug legt? „Ich habe 1860 Rosenheim sehr viel zu verdanken. Meine Erinnerungen sind ausschließlich positiv“, berichtet er und blickt zurück: Im Vergleich zu anderen Clubs mit einer ähnlich erfolgreichen Jugendarbeit saß das Geld nie so locker. Für Auswärtsfahrten standen beispielsweise keine Busse zur Verfügung. Die Eltern fuhren die Kinder und entwickelten bei diesen Reisen einen unheimlichen Zusammenhalt. „Das Besondere an 1860 Rosenheim waren wirklich die Leute. Angefangen von herausragenden Trainern bis hin zu total engagierten Eltern, die zu unserem größten Fanclub wurden“, sagt Weigl heute.

Allen voran Jugendcoach Christian Haas sollte den Werdegang des heutigen Bundesliga-Stars prägen. Einmal erwischte er Weigl, als er sich mit den anderen Jungs eine Wasserschlacht in der Kabine lieferte. Haas sagte nichts, verbannte seinen Kapitän aber auf die Bank. Dort gönnte sich der damals 13-Jährige eine Wurstsemmel – und wurde daher von Haas auch nicht eingewechselt, als die Rosenheimer deutlich zurücklagen. „Nach dem Spiel musste ich zu meinem ersten Rapport überhaupt antreten“, erinnert sich Weigl. „Herr Haas schaute mich sehr ernst an und meinte nur: Du hast mir doch erzählt, dass du Profi werden möchtest. Dann erwarte ich von dir, dass du dich auch so verhältst. Die Kabine ist euer Wohnzimmer. Dort bereitet ihr Euch auf Trainings und Spiele vor. Das ist kein Ort für solche Schweinereien.“ Ein anderer Satz des Jugendtrainers, über den Weigl noch heute schmunzeln muss: „Mit Wurstsemmeln wird niemand Profi!“

Mit dieser Ansage im Kopf schaffte es der einstige Lausbub seine Profi-Karriere zu starten – und möchte seinem Jugendverein etwas zurückgeben. MANUEL BONKE

Julian Weigl wird Schirmherr für den Jugendfußball bei seinem Ex-Club 1860 Rosenheim

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